362 Regierungsrat Dr. Werner Teubert:
die Binnenschiffahrt auch auf den vorhandenen Wasserstraßen zu be-
leben und den Nutzen eines billigen Güterverkehrs weiteren Landes-
teilen zukommen zu lassen.
Angesichts der großen Lasten, die der deutschen Wirtschaft durch
das Londoner Abkommen von 1924 für die Zukunft auferlegt sind,
kommt es nicht nur darauf an, in Landwirtschaft, Industrie und Handel
alle Kräfte anzuspannen und die Gütererzeugung zu vermehren und zu
verbilligen, auch das Reich und die Länder werden noch mehr als bis-
her bemüht sein müssen, in ihren Verwaltungszweigen und Betrieben
trotz großer Sparsamkeit die höchsten Leistungen zu erzielen. Daher
muß auch erwartet werden können, daß den Aufgaben der gesamten
Wasserwirtschaft einheitlicher als bisher nachgegangen wird, und daß
insbesondere die Reichswasserstraßenverwaltung durch Schaffung ihr
nachgeordneter Behörden in die Lage versetzt wird, ohne Hemmungen
ihre weitverzweigten Ziele zu verfolgen. Dabei wird es auch nötig
sein, einerseits die Wasserstraßenbeiräte derart heranzuziehen, daß
ihre Mitwirkung den Aufgaben der Verwaltung förderlich ist, anderer-
seits das Zusammenarbeiten in den neuen internationalen Schiffahrts-
kommissionen so zu gestalten, daß die deutsche Schiffahrt ihre frühere
Bedeutung auf den deutschen Strömen wiedererlangt und sich auf
Grund internationaler Bestimmungen, wie sie schon auf der Inter-
nationalen Verkehrskonferenz in Barcelona angebahnt werden sollten,
weiter, auch im Verkehr mit dem Ausland, entwickeln kann.
Sodann wird es Aufgabe der Verwaltung sein, durch ständige Ver-
kehrsbeobachtung und ausführliche Statistik die Entwicklung der Schiff-
fahrt genau zu verfolgen, um zu erkennen, wo durch staatliche Ein-
griffe Hemmungen beseitigt werden können. Dazu gehört eine genaue
Kenntnis der Frachten und der Selbstkosten im Schiffahrtsbetrieb und
bei den im Wettbewerb stehenden Verkehrsmitteln, die besonders für
die Bemessung der Schiffahrtsabgaben erforderlich ist. Eine richtige
Abgabenpolitik wird aber die wichtigste Handhabe der Wasserstraßen-
verwaltung sein, mit der sie daran mitwirken kann, den Verkehr den
Wegen zuzuweisen, die ihn am günstigsten befördern können. Es wird
daher nicht nur darauf ankommen, das Zusammenarbeiten zwischen
Reichsbahn und Binnenschiffahrt günstiger zu gestalten, auch die Ent-
wicklung der Seeschiffahrt und des Lastkraftwagenverkehrs wird zu-
gunsten der Wasserstraßen beeinflußt werden müssen, Mit der rasch
zunehmenden Bedeutung der Kraftwagen im Güterverkehr — umfaßt
ihre Tragfähigkeit doch bereits etwa 1% % aller Eisenbahngüterwagen
— werden diese für die Wasserstraßen als Zubringer eine ähnliche
Rolle spielen können wie für die Eisenbahnen. Die Förderung der deut-
schen Seehäfen wird aber nach ihrer geographischen Lage stets auch