Deutsche Wasserstraßenpolitik. 363
einen Gewinn für die Binnenschiffahrt bedeuten; jedoch wird es immer
eine schwierige Aufgabe der Verkehrspolitik bleiben, mit der Be-
günstigung der deutschen Seehäfen gleichzeitig auch die Rheinschiff-
fahrt zu stützen, die in ihren wichtigsten Verkehrsbeziehungen von der
Entwicklung Rotterdams und Antwerpens abhängig ist, die ihrerseits
wiederum in großem Umfang auf dem Wettbewerb mit den deutschen
Nordseehäfen beruht. Die Verflechtung der Binnenschiffahrt mit den
übrigen Verkehrsmitteln wird mit in erster Linie durch eine Verbesse-
rung des Hafenwesens erreicht werden können, auf die auch nach
Möglichkeit vom Reich aus hinzuwirken ist. Nicht nur, weil durch
niedrige Hafenabgaben und leistungsfähige Umschlageinrichtungen die
Binnenschiffahrt in manche neuen Verkehrsbeziehungen eingeschaltet
werden kann — jede Abkürzung des Aufenthaltes der Binnenschiffe in
den Häfen ist für die Bemessung der Frachten von großem Einfluß und
kann in erheblichem Umfang den Neubau von Schiffen ersparen.
Von größter Bedeutung für die Entwicklung der Binnenschiffahrt
bleibt aber die Tarifpolitik der Eisenbahn, und es muß mit allen Mitteln
von der Wasserstraßenverwaltung und der Schiffahrt versucht werden,
auf sie Einfluß zu gewinnen. Dies erscheint zunächst dadurch er-
schwert, daß die Reichsbahngesellschaft vom Reichsverkehrsministe-
rium nunmehr losgelöst ist und nach ihren Bestimmungen und den ihr
auferlegten Lasten noch mehr als bisher danach streben muß, hohe
Gewinne zu erzielen. Gerade der Umstand aber, daß sie bestrebt sein
muß, möglichst gewinnbringenden Verkehr an sich zu ziehen, kann doch
vielleicht dazu führen, daß sie mehr solchen Verkehr den Wasser-
straßen überläßt, den diese vorteilhafter bewältigen können. Dazu
kommt, daß auch die Binnenschiffahrt in dem Verwaltungsrat der
Reichsbahn vertreten ist und die Tarifänderungen von der Zustimmung
des Reichsverkehrsministeriums abhängig bleiben. Es muß mithin doch
gehofft werden, daß sich hier ein für alle Teile förderliches Zusammen-
arbeiten ermöglichen läßt, das einmal dahin führt, daß dort, wo
Wasserstraßen vorhanden sind, bei großen Entfernungen ihnen nicht
der Verkehr durch Ausnahmetarife entzogen wird, andererseits durch
billige Tarife zu den Binnenhäfen die Wasserstraßen noch mehr als
bisher zur Verbilligung der gesamten Güterbewegung eingeschaltet
werden, Sodann wird versucht werden müssen, durch weitschauende
Tarifpolitik zu erreichen, daß beide Verkehrsmittel mehr als bisher
Rückfrachten erhalten; gerade für die Binnenschiffahrt liegen die Ver-
kehrsverhältnisse bisher so, daß, abgesehen von ganz wenigen Verkehrs-
beziehungen, bei denen in beiden Richtungen Ladungen zu erwarten
sind, die Schiffe bei der Rückfahrt leer fahren oder sich mit geringen
Rückladungen begnügen müssen, Wenn in diesem Sinne die Güter-