364 Regierungsrat Dr. Werner Teubert:
bewegung und ihre Verteilung auf die Verkehrsmittel beeinflußt werden
könnte, wäre mit einer erheblichen Verbilligung des Güterverkehrs zu
rechnen,
Die Fortschritte, die die Eisenbahnen in ihren technischen Einrich-
tungen und in ihrem Betriebe gerade unter dem Zwang der wirtschaft-
lichen Verhältnisse der Nachkriegsjahre genommen haben, und die u. a.
auch in der Verwendung größerer Güterwagen mit vorteilhafteren Lade-
vorrichtungen zum Ausdruck kommen, zwingen auch die Schiffahrt,
ihren Betrieb weiter zu vervollkommnen. Dies gilt auch für die
Gestaltung der Wasserfrachten, die bisher so starken Schwankungen
unterlagen, und deren Höhe somit vorher nicht feststeht, so daß
manche Versender sich den Eisenbahnen zuwenden, obgleich der
Wasserweg billiger wäre, Es muß angestrebt werden, durch noch
engeren Zusammenhang von Versender, Spediteur und Reeder den
Durchfrachtenverkehr zu verbreiten, indem für die Eisenbahn-, See-
und Wasserstraßenstrecken einschließlich der Umschlagkosten feste,
für längere Zeit geltende Tarife aufgestellt werden. Eine Stetigkeit
und zugleich eine Verbilligung der Wasserfrachten wird jedoch am
ehesten erreicht werden können durch einen fortschreitenden Ausbau
der deutschen Ströme, indem durch Vertiefung des Fahrwassers,
Errichtung von Staustufen oder Talsperren der Wasserabfluß geregelt
und die der Binnenschiffahrt so nachteiligen Niedrigwasserzeiten
abgekürzt werden. Für den künftigen Ausbau der Wasserstraßen
wird es vor allem wichtig sein, sich auf bestimmte Schiffsgrößen fest-
zulegen, einerseits, um durch Schaffung bestimmter Typen Bau und
Unterhaltung der Schiffe zu verbilligen, andererseits, um die Ab-
messungen der einzelnen Wasserstraßennetze durchgehend bestimmten
Höchstmaßen der Schiffe anpassen zu können. Diese Abmessungen
festzulegen, bedarf noch eingehender Wirtschaftlichkeitsberechnungen
und engen Zusammengehens von Verwaltung und Schiffahrt,
Zur besseren Ausnutzung der deutschen Wasserstraßen durch den
Güterverkehr bedarf es jedoch nicht nur ihrer Verbesserung durch
wasserbauliche Maßnahmen, es wird auch durch Bau von neuen Kanälen
nach Hauptverkehrspunkten sowie durch Kanalverbindungen zwischen
einzelnen Strömen der Verkehr belebt werden müssen; durch solchen
Ausbau des Wasserstraßennetzes wird dann auch erreicht werden, daß
weiteren Teilen des Reiches als bisher billige Verfrachtungsmöglich-
keiten gegeben werden, In diesem Sinne hat die Wasserstraßenpolitik
der letzten Jahre bereits erfolgreich gewirkt, Nicht nur die Vollendung
des Mittelland-Kanals wird in wenigen Jahren erreicht sein, auch die
Neckarwasserstraße und der Großschiffahrtweg von Aschaffenburg bis
Nürnberg und der Ausbau der Donau von Passau bis Regensburg sind