384 Dr. Finkenwirth:
schaft‘ verwiesen werden, In dieser Denkschrift wird zahlenmäßig
belegt, daß als Wirkung der Reichsbesoldungsordnung das Gehalt-
und Lohnniveau durch starke Steigerung der Be-
züge der unteren Kategorien (I—V) so in die Höhe ge-
trieben ist, daß bei einer allgemeinen Lebenshaltungsziffer von 135,6
die Kopfkostenziffer des Reichsbahnpersonals auf 152 steht. Um einige
Beispiele zu nennen, so beträgt die Gehaltssteigerung bei den Gruppen
Oberbahnwärter .. . .. 64 %
Lokomotivheizer .. . . . ., 59%
Rottenaufseher U
Oberschaffner .. .. .. . 18%
Werkmeister 2... 2.0.0... 78%
Lokomotivoberheizer .‚. . , C1%
Rottenmeister . . .. .. , 68%
Sonach ergeben sich bei den unteren Gruppen Gehaltserhöhungen bis
zu 88 %, und auch das Realeinkommen der Gruppen I—V liegt, wie
die Reichsbahn tabellarisch nachweist, erheblich über dem Einkommen
der Vorkriegszeit, während sich die oberen Gruppen allerdings schlech-
ter stehen.
Angesichts dieser Entwicklung vertritt die Reichsbahn mit Recht
den Standpunkt, daß an alle Gehaltserhöhungswünsche mit außer-
ordentlicher Zurückhaltung herangegangen werden müsse. Nach dem
augenblicklichen Stand der Dinge würden weitere Lohn- und Gehalts-
erhöhungen zu Tariferhöhungen führen, die ihrerseits wieder ihre un-
günstige Wirkung auf die deutsche Wirtschaft äußern werden. Hinzu-
zufügen ist, daß eine Einkommensteigerung, die nicht aus Nationalver-
dienst bestritten werden kann, wie wir erlebt haben, mangels gleich-
zeitiger Vermehrung der der Nation zur Verfügung stehenden Werte
lediglich preissteigernd wirkt, eine Besserstellung der Lohn- und Ge-
haltsempfänger also nicht erreicht und noch dazu die Konkurrenzfähig-
keit der deutschen Wirtschaft zum Nachteil der Volksgesamtheit
schwächt. Alle Bemühungen müssen deshalb darauf abgestellt sein, den
Reallohn zu heben, weil davon der Lohn- und Gehaltsempfänger einen
wirklichen Nutzen hat. Wenn die Reichbahnverwaltung den Wirkungs-
grad ihrer Betriebspolitik nicht durch falsche lohnpolitische Maßnahmen
beeinträchtigt, handelt sie somit nur im wohlverstandenen Interesse
ihres Personals,
Der prozentuale Rückgang der Sachaufwendungen von
39 % im Jahre 1913 auf 34 % im Jahre 1925 ist bereits als vom Be-
triebsstandpunkt aus ungesund bezeichnet worden. Während der
Durchschnitt der sächlichen Ausgaben im Monat rund 100 Millionen