Full text: Die deutsche Wirtschaft

390 Dr. Finkenwirth: 
hinsichtlich der Ausgestaltung des Personenverkehrs sich des Rats 
der provinziellen und zentralen Wirtschaftsver- 
tretungen zu bedienen, So ist z. B. im Verkehrsgebiet 
Niedersachsen-Cassel die Einrichtung getroffen worden, daß die Fahr- 
plandezernenten der sechs beteiligten Eisenbahndirektionen Altona, 
Oldenburg, Münster, Hannover, Cassel und Magdeburg jährlich zweimal 
mit einem Ausschuß des Verkehrsverbandes Niedersachsen (der alle 
maßgebenden amtlichen und freien Berufsvertretungen von Industrie, 
Handel, Handwerk und Landwirtschaft und die wichtigsten Städte und 
Landkreise des Gebietes zusammenfaßt) sich treffen, um die besten 
Zuglagen in der nächsten Fahrplanperiode zu beraten. Da die Handels- 
kammern Bremen, Halberstadt, Nordhausen und Magdeburg sich diesem 
Verfahren jetztangeschlossen haben, dürften diese niedersächsich-mittel- 
deutschen Fahrplankonferenzen das Beispiel der einfachsten 
Art der Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Wirtschaft bieten. 
Sinngemäß besteht zwischen der Reichsbahnhauptverwaltung einer- 
seits, dem Deutschen Industrie- und Handelstag andererseits ein Ab- 
kommen, daß ein kleiner Ausschuß von Vertretern der Industrie, des 
Handels und der Landwirtschaft jährlich zweimal mit den Personen- 
fahrplandezernenten der Reichsbahnverwaltung zusammentreffen, um 
die Bedürfnisse des großen Fernverkehrs und des internationalen Ver- 
kehrs zu erörtern, Diese Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und 
Wirtschaft muß zu guten Ergebnissen führen. 
Und nun die Fragen des Güterverkehrs, dieses Schmerzens- 
kindes der Wirtschaft! Es erscheint nicht notwendig, nachzuweisen, 
wie schwer die bisherige Gütertarifpolitik der Reichsbahn die Wirt- 
schaft belastet und von welch unheilvollen Folgen die — anders kann 
man es nicht nennen — grundfalsche Tarifpolitik der Reichsbahn bis- 
lang gewesen ist. 
Wenn die Reichsbahnverwaltung auf die vielen Angriffe, die sie 
hinsichtlich ihrer Gütertarifpolitik erfahren muß, immer antwortet, daß 
die tonnenkilometrische Mehrbelastung einschließlich der Ver- 
kehrssteuer noch nicht 50 % gegenüber dem Frieden betrüge und daß 
der Tarifindex ohne die Verkehrssteuer noch unter 135 liegt, während 
die Preise der Hauptbetriebsstoffe nicht niedriger, eher höher und der 
Kopfkostenindex des Bahnpersonals sogar 152 ist, so ist eine solche 
Darstellung schief, Wenn man hierüber ein richtiges Bild gewinnen 
will, so muß man die einzelnen Güter ansehen und ihre Frachtverteue- 
rung prüfen, Und so zeigt sich denn, um nur einige Beispiele heraus- 
zuheben, nach einer Statistik der Industrie- und Handelskammer Essen 
folgendes: Auf 10—500 km waren im März 1925 gegenüber 1914 die 
Frachten teurer:
	        
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