6 Prof. Dr. E, Everling:
Daß Fischerei durch Aufsuchen von Fischbänken, Melden von
Fischschwärmen mit Seeflugzeugen, durch Fischfänge mit kleinen Luft-
schiffen, wie durch Abschießen von Raubtieren gefördert werden, daß
man mit dem Flugzeug ja g e n kann, sei nur nebenbei erwähnt, ebenso,
daß Land- und Forstwirtschaft in schwachbevölkerten Ge-
bieten schon jetzt durch Flugzeuge unterstützt werden, die aussäen,
Vieh überwachen, Schädlinge mit Gift bekämpfen, nachdem sie ihre
Sporen in der Luft, ihre Brutplätze am Boden festgestellt haben, die
Waldbrände sogleich erkennen und durch Abwerfen von Feuerlösch-
bomben ersticken, über Windbruchschäden und Pflanzenstände einen
raschen Überblick geben,
Wichtig ist, auch für unser gutvermessenes Gebiet, das Lu{ft-
bild, das Landesaufnahmen vor allem unzugänglicher oder veränder-
licher Gelände rasch und zweckmäßig ergänzt, Dazu kommt der
Nutzen, den schon jetzt viele Wissenschaften aus dem Luftfahrzeug
ziehen können: Geologie, Erd-, Siedlungs- und Wetterkunde be-
dienen sich seiner; sogar Regen machen und Nebel zerstreuen soll das
Flugzeug! Das klingt uns heute noch wie ein Märchen, ist aber viel-
leicht in einigen Jahren ebenso Wirklichkeit, wie schon jetzt die übri-
gen erwähnten Herkulesarbeiten, die die Luftfahrt leistet,
Mittelbar wirtschaftsfördernd, den Warenaustausch beschleunigend
wirkt das Luftfahrzeug im Werbewesen; es selbst als sensationeller
Gegenstand, der überall Interesse erweckt, wird gerne zu Darstellungen
verwendet, die für eine Idee, für einen Handelsartikel Propaganda
machen sollen. Durch Flugblattabwurf aus der Luft, Schauflüge mit
anpreisender Bemalung und Beleuchtung, durch ‚„Himmelsschrift‘ mit
Rauchfahnen stellt sich das Flugzeug in den Dienst der Reklame.
Endlich erzeugt die Luftfahrt selbst wichtige Ausfuhrgüter,
Leichtbauwaren, Qualitätsarbeit hochwertiger Facharbeiter; sie nährt
eine ganze Reihe von Hilfsindustrien, die ihr Roh- und Werk-
stoffe, Betriebsmittel und Hallen, Zubehörteile und Meßgeräte liefern.
Trotz dieses wirtschaftlichen Nutzens haben die Luftfahrzeugbauer
aller Länder, verglichen etwa mit den Kraftfahrzeugfirmen, ein sehr
beschränktes Absatzgebiet. Ihre Hauptabnehmer sind im
allgemeinen die Staaten, die starke Luftflotten unterhalten, trotz
aller Abrüstungsvereinbarungen und Friedensbeteuerungen, in der rich-
tigen Erkenntnis, daß ein Zukunftskrieg sich in erster Linie zwischen
Maschinen, vorwiegend in der Luft und über dem ganzen Hoheitsgebiet
der Kriegführenden abspielen wird,
Nur Deutschland und den andern Besiegten des Weltkrieges
ist es untersagt, eine Kriegsluftflotte und auch nur Militär- oder Polizei-
flugzeuge zu besitzen; ja, unsere Industrie darf sie nicht einmal für die
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