398 Luftfahrt in Wirtschaft und Politik.
aus dem Auslande aufhängen — stets abgesehen von einigen rühmlichen
Ausnahmen, die das rechte Gefühl oder einen tüchtigen Fachmann für
das schwierige, weil ungewohnte, Gebiet besitzen.
Umgekehrt ist auch der Flieger, der meilenhoch über den
Parlamenten schwebt und in wenigen Minuten eine Provinz durchquert,
kein Parteimann oder Partikularist. Wer Luftverkehr betreibt, muß
heute schon „in Erdteilen denken“. Und das Flugzeug, das Länder
verknüpft, wird auch die Herzen der Völker verbinden; wenn wir heute
in der Welt wieder geachtet werden, so hat unsere Nachkriegsfliegerei
einen großen Teil des Verdienstes, und die Kameradschaft der Flieger
aller Länder, die in ritterlichem Kampf den Krieg überdauerte, die den
andern wertet, weil er sich selbst achtet, sollte auch die Völker lehren,
einander zu verstehen, statt sich nur zu verständigen.
Auch die Kreise des eigenen Volkes, die sich fremd gegenüber-
stehen, kann die Luftfahrt zusammenführen: mag der Flugverkehr
ein Vorrecht derer sein, die sich Reisen zweiter Klasse leisten können,
das Fliegen selbst ist GemeingutallerSchichten: auf unsern
Flugschulen findet sich neben dem wohlhabenden Sportsmann der un-
bemittelte Student, dem ein Gönner als „Pate‘ das Fliegenlernen er-
möglichte, und der weiterstrebende Arbeiter, den seine Firma am
Unterricht teilnehmen läßt; denn die nächste Zukunft schon fordert
„Luftkutscher‘‘ und Verkehrsflieger in großer Zahl. Sodann ist das
Fliegen unerläßlich für den Ingenieur, der selber Luftfahrzeuge
bauen will, und endlich ist es ein gesunder Sport, eine nerven-
stählende, willenstärkende Körperbetätigung, die Entschlußfähigkeit
und Verantwortungsfreudigkeit hebt, die positive, zum Aufbau bereite
Menschen schafft — ein treffliches Werkzeug zielbewußter Be völ-
kerungspolitik.
Wir möchten nicht schließen, ohne die Aufgaben zu nennen, die
uns die Luftfahrt stellt, weil sie erfülltes Sehnen unserer Väter, köst-
liches Gut unserer Kultur und sichere Hoffnung unserer Kinder ist;
weil Deutschland an den Hauptstraßen des Luftmeeres
liegt, weil seine Wirtschaft durch Luftverkehr und Luftpost, Luft-
frachten und Luftbild gefördert wird, weil das Luftfahrzeug selbst als
Wirtschaftsteil beachtlich ist und wichtig werden wird, weil unsere
Lufthoheit uns auch ohne Luftwaffen Luft geltun gg bringen soll, weil
die junge Generation, die aufbauen soll, was wir zertrümmern ließen,
gesunden Mut und starke Nerven braucht: das Luftfahrzeug will seinen
Platz an der Sonne des Wirtschaftslebens; bereitet ihm den Weg!
Schafft Vertrauen zum Flugzeug, denn es ist sicher; fördert
seine Benutzung, denn sie bringt Vorteil; lehrt unser Volk fliegen,
denn Luftfahrt ist not!