Full text: Die deutsche Wirtschaft

406 Direktor Paul Voß: 
Wege und sorgt dafür, daß alte, unzweckmäßige Produktionsmethoden 
durch neue ersetzt werden, die oft bei geringerem Bedarf an Material 
und Kraft etwas Zweckmäßigeres, Schöneres und Billigeres erzeugen. 
Neben den Ersparnissen im Produktionsprozeß, zu denen der Leistungs- 
wettbewerb führt, stehen die aus der Vereinfachung des Handelsver- 
kehrs, Alles, was durch Teilnahme an einer Messe an Kosten für 
Reisende, Prospekte, Musterversand eingespart werden kann, bildet 
eine Entlastung des Warenpreises und eine Vermehrung der Finanz- 
kraft unserer Betriebe. 
Der Meßgedanke hat seit dem Zeitpunkte, da seine Umprägung in 
die Idee der modernen Mustermesse stattfand, den großen inter- 
nationalen Zug wiedergewonnen, der schon den alten Warenmessen 
eigen war, Heute ist Außenhandel mit aktiven Ergebnissen eine 
Existenznotwendigkeit der deutschen Volkswirtschaft, die ja künlftig 
die 2% Milliarden GM, jährlicher „normaler“ Reparationszahlung nur 
aus Exportüberschüssen wird bestreiten können und müssen. Neben 
der Regulierung des Inlandsmarktes nach den natürlichen Gesetzen 
der freien Wirtschaft ist daher der Ausbau unseres Außenhandels die 
Hauptaufgabe des deutschen Messewesens. Die Grundlagen störungs- 
ireier Arbeit haben wir durch die neuen Handelsverträge erlangt, die 
ja vom Prinzip der gegenseitigen Meistbegünstigung und der „offenen 
Tür” getragen sind, Das Ausland soll durch den Besuch der Messe 
persönliche Kenntnis vom deutschen Warenangebot hinsichtlich 
Qualität, Preis, Anpassungsfähigkeit an fremde Bedürfnisse, Lieferungs- 
bedingungen und allgemeiner Entwicklungstendenz erhalten, Diesen 
Dienst hat das Messewesen bewiesenermaßen schon für zahlreiche 
wichtige Gewerbezweige tatsächlich erfüllt, Erinnert sei etwa an die 
Art, wie die Leipziger Messe die bis in die neueste Zeit hinein in Klein- 
und Zwergbetrieben zersplitterte deutsche Spielwarenindustrie zusam- 
mengefaßt und auf dem Weltmarkt zu hoher Geltung gebracht hat. 
Der ausländische Einkäufer in zahlreichen Branchen weiß heute schon 
ganz genau, daß ihm das Messewesen allein den Vorteil allumfassender 
Orientierung zu bieten vermag, Im Interesse unseres Exports müssen 
wir weiter dahin streben, daß im deutschen Messewesen die verschie- 
densten Branchen, insbesondere auch die Leistungen der kleineren und 
mittleren Produzenten, zu einheitlicher Geltung gebracht und an den 
Weltmarkt angeschlossen werden. Entsprechend unserer Rohstofflage, 
der Notwendigkeit gemäß, auf einem kleinen Gebiet eine große Be- 
völkerung kulturwürdig zu unterhalten, muß künftig das deutsche 
Gewerbeprodukt einen möglichst hohen Prozentsatz an veredelnder, 
umformender Arbeit aufweisen, also Qualitätsfabrikat sein. Die 
Fertigwarenindustrie rückt damit mehr und mehr in den Vordergrund.
	        
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