Messen und Ausstellungen. 409
aus allen Branchen? Es kann dazu wohl gesagt werden, daß man heute
in einsichtsvollen Kaufmannskreisen des In- und Auslandes von der
volkswirtschaftlichen Bedeutung des Messewesens und von seinem
Nutzen für den Unternehmer wie auch für den Konsumenten voll-
kommen überzeugt ist. Die Propaganda des deutschen Messewesens
im Auslande wird zugleich auch als die wirkungsvollste Außenhandels-
werbung für unsere gesamte Exportwirtschaft anerkannt, insbesondere
als glänzende Kollektivpropaganda für all jene Firmen, die unter den
heutigen Verhältnissen nicht die Kosten für umfassende Reklame im
Auslande aufbringen können, Diese große Werbekraft des Messe-
wesens für den deutschen Fabrikanten und Exporteur, deren Nutzen
man ohne erheblichen Kostenaufwand mit genießt, sollte berücksichtigt
werden, wenn man sich kritisch gegen die Spesen des Messewesens
wendet, Daß die Teilnahme an einer Messe neben Reise- und Auf-
enthaltskosten auch einen nicht immer unwesentlichen Posten an Miet-
und sonstigen Messespesen mit sich bringt, ist eigentlich eine Selbst-
verständlichkeit, Nicht die absolute Höhe der Kosten entscheidet,
sondern ihr Verhältnis zu dem auf der Messe erzielten geschäftlichen
Nutzen, Und auch hierbei darf man nun nicht gerade eine Messe her-
ausgreifen, die infolge allgemeiner schwacher Konjunktur vielleicht
einmal etwas ungünstig abgeschnitten hat, sondern man muß natürlich
auch die „guten‘ Messen hierbei mit berücksichtigen und für den Ver-
gleich zwischen Spesen und Erfolg auf beiden Seiten einen Durchschnitt
aus möglichst umfangreichen Daten berechnen. Eine ganz große Messe,
die die weitesten Möglichkeiten des internationalen Geschäfts
erschließt und den gesamten Inlandsmarkt praktisch umfaßt, wie die
Leipziger Messe, wird sich hierbei in der Tat als die billigste Messe
erweisen, während kleinere Messen mit geringerem Geschäftskreis
wahrscheinlich ungünstiger abschneiden dürften. Damit kommen wir
aber auf eine Frage, die mit dem Kostenproblem innig zusammenhängt
und uns für die Zukunft vor wichtige Entscheidungen stellt. Ist die
jetzige Vielheit der Messen heute, nach Abschluß der Inflationsperiode
mit ihrem abnormen Warenhunger, heute beim Übergang zu normalen
Wirtschaftszuständen noch weiter lebensfähig?
Mit der Erörterung dieses Problems in knappen Strichen kann
man gleich die Behandlung der Kritik verbinden, die heute in weitesten
Geschäftskreisen an der Zersplitterung des Messewesens geübt wird,
sowie die Untersuchung, inwieweit das deutsche Messewesen der prin-
zipiellen Forderung der Konzentration „an einem Ort“ bereits ent-
spricht oder sich künftig anpassen wird. Es ist zu beklagen, daß die
verantwortlichen Regierungsstellen, die sich von Amts wegen mit der
Wirtschaftspolitik zu beschäftigen haben, dem deutschen Messe-