Full text: Die deutsche Wirtschaft

Banken und Industrie, 419 
keit der Überspannung der Konditionen, ins- 
besondere der Zinssätze, Es ist bekannt, welch ungeheuerliche 
Sätze von den Banken in den ersten Monaten nach der Stabili- 
sierung der Mark verlangt und durchgesetzt worden sind (ohne 
entsprechende Erhöhung der Habenzinsen), und daß hieraus 
s, Z. ein ernsthafter, teilweise erbitterter Gegensatz zwischen 
Banken und Industrie entstanden ist. Seit Ende 1924 hat sich 
nun das Zinsniveau dem Normalzustand wieder mehr angenähert, 
immerhin kostet z, Z, Bankkredit je nach den Umständen noch 
15 bis 18 % p.a., während Einlagen von den Banken durch- 
schnittlich nicht über 5 bis 8 % verzinst zu werden pflegen. Die 
Frage, ob die in diesen Sätzen liegende große Spanne auf die 
Auswertung einer Vormachtstellung der Banken zurückzuführen 
ist, ist umstritten; naturgemäß wird die Frage von den Banken 
verneint, wobei sie einerseits auf die gestiegenen Unkosten des 
Bankbetriebes, anderseits auf die Tatsache hinweisen, daß die 
Zinssätze sich im freien Spiel von (Kapital-) Angebot und Nach- 
frage bilden und die Banken für das bestehende Mißverhältnis 
zwischen Kapitalbedarf und Kapitalvorrat nicht verantwortlich 
gemacht werden können, Demgegenüber wird von seiten der 
Kreditnehmer folgendermaßen argumentiert: Die Tatsache der 
Steigerung der Unkosten ist zweifellos zutreffend, bedeutet 
jedoch nur teilweise eine Erklärung des Problems; zu dem Ein- 
wand, daß sich die Zinssätze im Spiel von Angebot und Nach- 
frage bilden, ist zu erwidern, daß eine freie Konkurrenz auf der 
Bankenseite nicht besteht, die Stellung der für die Industrie in 
Betracht kommenden Banken vielmehr z. Z. eine monopolartige 
ist, Ist jedoch die eine Partei bei einem Preiskampfe überlegen, 
so hat sie bei der Festsetzung des Preises im Rahmen der 
bestehenden Bedarfs- und Vorratsverhältnisse einen Spielraum, 
der in mehr oder weniger entschiedener Weise ausgenutzt 
werden kann, und zwar entweder durch Niedrighaltung der 
Habenzinsen oder durch Steigerung bzw. Hochhaltung der Soll- 
zinsen, oder aber nach beiden Richtungen zugleich, 
Im Rahmen dieses Aufsatzes, der vorwiegend eine 
Schilderung und Erklärung der zwischen Industrie und Banken 
bestehenden Interessengegensätze zum Ziel hat, kann eine 
Stellungnahme zu der obigen Streitfrage nicht erfolgen. Es soll 
lediglich auf die weittragenden Wirkungen einer etwaigen über- 
mäßigen Ausnutzung der überlegenen Stellung der Banken inner- 
halb der Gesamtwirtschaft hingewiesen werden (Wirkungen der 
Niedrighaltung der Habenzinsen: Lähmung der Kapitalbildung; 
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