460 Graf Eberhard von Kalckreuth:
Zeit noch fehlenden 1725000—1750000 Stück aufgefüllt sein wird. Mit
Hilfe der geforderten Ertragssteigerung wird es dann gelingen, nicht nur
den Inlandsbedarf an Milch und Milchprodukten voll zu decken, sondern
auch an die Stelle eingeführter pflanzlicher Fette, die stets ihren
Charakter als „Ersatz‘” behalten, hochwertigere Milchfette, in erster
Linie Butter, zu setzen, —
Vor dem Kriege ergaben die deutschen Ernten folgende Durch-
schnitts-Hektarerträge: Brotgetreide rund 18 dz, Hafer und Gerste
19 dz, Kartoffeln 135 dz. Für Zucker- und Futterrüben wird der Durch-
schnitts-Hektarertrag mit 297 dz nicht zu hoch geschätzt sein. Diese
aus den Ernten des letzten Vorkriegsjahrzehnts sich ergebenden Durch-
schnittserträge wurden bei einem Verbrauch von rund 11% Millionen
Tonnen stickstoffhaltiger künstlicher Düngemittel erzielt. Sieht man von
der Düngung der Wiesen und Weiden ab und verteilt man die Menge des
künstlichen Stickstoffdüngers auf die Fläche, auf der das Getreide, die
Hülsen- und Hackfrüchte, Garten- und Handelsgewächse und das Obst
erzeugt wurden (zusammen 24 676 000 ha), so ergibt sich eine Dünger-
gabe von % dz je Hektar, wobei zu berücksichtigen bleibt, daß diese
Menge in Wirklichkeit infolge der Verteilung auch auf Wiesen und
Weiden geringer war. Eine Steigerung auf 2 dz stickstoffhaltiger Dünge-
mittel je Hektar wird selbst unter Berücksichtigung der stärkeren Vieh-
haltung des Kleingrundbesitzes für alle Böden Deutschlands als Höchst-
grenze der rentablen Stickstoffanwendung nicht zu hoch gesetzt sein,
Das würde im Vergleich zu der vor dem Kriege angewendeten Stickstoff-
düngung eine Vervierfachung bedeuten. Im heutigen Reichsgebiet be-
trägt die Anbaufläche für Brotgetreide rund 5800 000 ha. Mit Hafer
und Gerste werden etwa 4300 000 ha bestellt. Kartoffeln beanspruchen
etwa 2 725 000 ha, Zucker- und Futterrüben zusammen eine Fläche von
rund 1150000 ha. Da durch Verwendung von 1 Ztr, stickstoffhaltiger
Düngemittel mindestens 2 Ztr, Getreide oder 20 Ztr, Kartoffeln oder
30 Ztr. Rüben mehr geerntet werden können, so ergibt sich allein durch
stärkere Anwendung von Stickstoff auf den alten Kulturböden eine
Mehrerzeugung von 1740000 t Brotgetreide, 1290000 t Gerste und
Hafer, 8 175 000 t Kartoffeln, 5175000 t Rüben, Eine weitere wesent-
liche Steigerung der Ernte wird durch Verwendung nur erstklassigen
und für die betreffende Gegend passenden Saatgutes und durch zweck-
mäßigere Bodenbearbeitung (ein Gebiet, auf dem wir gerade in den
letzten Jahren wissenschaftlich sehr erhebliche Fortschritte gemacht
haben) zu erreichen sein, — Auch das schwierige Problem der Be-
schaffung der notwendigen Futtermittel, um aus der eigenen Scholle
die fehlenden Fleisch- und Fettprodukte zu erzeugen, geht durch die in
den letzten Jahren stark in Bearbeitung genommene Grünlandbewegung