Die staatspolitische Bedeutung der Landwirtschaft. 465
Landwirtschaft mit Sicherheit um eine große Zahl selbständiger Land-
wirte vermehrt werden können, wenn bei der inneren Kolonisation die
produktionstechnischen und wirtschaftlichen Grundbedingungen inne-
gehalten werden, die für eine dauernde erfolgreiche Bewirtschaftung
jeder einzelnen Siedlerstelle Voraussetzung sind. Der sehr viel stärkere
Anteil selbständiger Existenzen der Landwirtschaft gegenüber der
Industrie- und Stadtbevölkerung ist in staatspolitischer Bedeutung un-
geheuer wichtig. Abgesehen von der nicht unwesentlichen Stärkung
der Steuerkraft wird der Mann, der mit seinem Eigentum eng ver-
knüpft ist, für die Erhaltung und das Wohlergehen des Staates stets
ein größeres Interesse haben als der nicht durch Eigenbesitz gebun-
dene unselbständige Angestellte und Arbeiter. Er wird den gefähr-
lichen, historisch unbegründeten wie dem Charakter des Volkes
wesensfremden Staatsexperimenten einen größeren Widerstand ent-
gegenzusetzen wissen, weil er weiß, daß mit der Gefährdung des
Staates auch seine Existenz gefährdet wird, besonders dann, wenn er
als Landmann noch nicht, wie der Städter, die Fühlung mit der Natur
verloren hat und in ihm die Stimme des Blutes noch nicht, wie beim
Intellektuellen, getötet ist.
Die Landwirtschaft hat also für den Staat nach zwei Richtungen
hin eine grundlegende Bedeutung:
1. ist sie es, die allein die Ernährung des Volkes sicherstellen und die
wirtschaftliche Unabhängigkeit vom Auslande gewährleisten kann;
” ist sie die Quelle, die einen ununterbrochenen Strom frischer Ar-
beitskraft den Arbeitsstätten der Industrie, den Städten, zuführt
und deren Bevölkerung ergänzt, die ohne diesen Zuwachs von
außen unter den schädlichen Wirkungen städtischer Zivilisation
zusammenschmelzen und degenerieren würde. Aufgabe jedes
Staates, der sich der nationalen Aufgaben seines Volkes in der ihm
durch die Natur gegebenen kulturellen und völkischen Eigenheit
bewußt ist, muß es sein, sich eine unabhängige, bodenständige Land-
wirtschaft zu erhalten, um aus ihr stets aufs neue seine Kräfte zu
ergänzen,
Die deutsche Wirtschaft,
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