Die außenpolitischen Aufgaben der Wirtschaft. 511
gegangenen Ausfuhr, Auf Vorkriegswerte berechnet, hat diese im
Jahre 1924 nur 50,5 %, die Einfuhr dagegen 62,1 % erreicht. Allerdings
sind in der Ausfuhr die Werte der Reparationslieferungen nicht ent-
halten, weil Deutschland dafür keinen Gegenwert erhält; sie werden
uns aber auf Reparationskonto gutgeschrieben. Setzt man sie — was
recht reichlich erscheint — mit % Milliarden ein, so würde sich die
deutsche Warenausfuhr auf 7,2—7,3 Milliarden erhöhen, aber immer
noch um 1,9 Milliarden hinter der Einfuhr zurückbleiben. Diese
Passivität in eine Aktivität von gleicher Höhe zu
verwandeln, ist diegroße wirtschaftliche und poli;-
tische Aufgabe des deutschen Volkes.
Ob sie überhaupt voll zu lösen ist, ist zu bezweifeln. Der Dawes-
plan meint, daß bei einer Steigerung unserer Ausfuhr auf 14 Milliarden
Reichsmark ein Ausfuhrüberschuß von 2% Milliarden Reichsmark zu
erzielen sei. Man hat in dem Rekordjahr 1913 die deutsche Waren-
ausfuhr knapp 10,1 Milliarden gewertet; ihr stand eine Einfuhr im
Werte von 11,65 Milliarden gegenüber, in der Rohstoffe und rohe halb-
fertige Waren (z. B. rohe Metalle, nicht aber Garne) mit 6,5 Milliarden,
Nahrungs- und Genußmittel und lebende Tiere mit 3,35 Milliarden ent-
halten waren, Von dieser Einfuhr von 9,85 Milliarden könnten wir
allenfalls auf 550 Millionen für Genußmittel aller Art, einschließlich der
zu ihrer Herstellung dienenden Rohstoffe, verzichten. Dann würde
immer noch ohne Fertigwaren ein Einfuhrbedarf von 9,3 Milliarden
Reichsmark übrigbleiben, um nur die frühere Ausfuhr von 10,1 Mil-
liarden Wert zu erlangen. Nun haben wir aber die großen Rohstoff-
gebiete Lothringens und Luxemburgs, der Saar und Oberschlesiens,
haben die fruchtbaren landwirtschaftlichen Überschußgebiete Posens,
Westpreußens und Nordschleswigs verloren, wodurch unser Einfuhr-
bedarf an Rohstoffen, rohen Halbfabrikaten und Nahrungsmitteln allein
um mindestens 1 Milliarde gestiegen ist. Jede Zunahme der Ausfuhr
erfordert eine solche der Rohstoffe, Halbfabrikate und Nahrungsmittel
um mindestens 66—75 % des Wertes der Ausfuhr, also eine solche der
letzteren um 4 Milliarden Reichsmark gegen 1913 eine Steigerung
dieser Einfuhr um 2,65—3 Milliarden Reichsmark, also auf 11,9—12,3
Milliarden. Nun können wir aber — wollen wir einigermaßen erträg-
liche Handelsverträge erzielen — weder auf die Einfuhr von Kaffee
und Tee, noch von Tabak und Südfrüchten oder von Wein verzichten,
Wir dürfen auch nicht durch prohibitive Zölle die Einfuhr von Fertig-
waren ausschließen, wenn wir selbst solche ausführen wollen. Deren
Einfuhr machte vor dem Krieg über 5/, Milliarden Mark aus und ist
nach dem Verlust Elsaß-Lothringens, Ostoberschlesiens und dem —
wenn auch nicht definitiven — des Saargebiets noch gestiegen, während