Full text: Die deutsche Wirtschaft

518 Reichsminister a. D, Dr.-Ing. e. h, Gothein: 
dienen. Als solcher ist er freilich bei der schutzzöllnerischen geistigen 
Einstellung des Auslandes nicht zu entbehren; das will für seine Waren 
Zollnachlässe von uns einhandeln. 
Wir sollen uns nicht einbilden, die Amerikaner und Engländer in 
der Massenherstellung und Ausfuhr von Massenartikeln übertrumpfen 
zu können. Den Schwerpunkt der letzteren müssen wir wieder in der 
Qualitätsware suchen. Das „Made in Germany“ muß aufs neue die beste 
Reklame für die deutsche Ware im Ausland werden, Die Güte unserer 
Ware muß uns die Achtung vor unserer Tüchtigkeit erringen. Deshalb 
sollen wir die Vorteile der Massenherstellung erprobter Typen nicht 
vernachlässigen, denn erst sie ermöglicht, billig zu produzieren, Vor 
allem sollen wir — und nicht bloß im Maschinenbau — zu möglichst 
einheitlicher Normung kommen, die ebenfalls die Herstellungskosten 
herabsetzt und Reparaturen erleichtert, 
Seitdem unsere Währung wieder stabil ist, muß der Lieferant sich 
unbedingt an seine Offerte binden, Kaum etwas hat unsern Absatz im 
Ausland so geschadet wie „freibleibend‘, Das raubte dem deutschen 
Kaufmann den Ruf der Zuverlässigkeit, Die Lieferung muß aufs 
strengste der Probe entsprechen, und sie muß pünktlich erfolgen. Durch 
die Einschränkung der deutschen Dampfierverbindungen ist das heute 
schwerer als früher, Aber der Hauptkrebsschaden liegt an den vielen 
und unberechenbaren Streiks der mit der Herstellung der Ware 
befaßten wie der Transportarbeiter. Sie alle müssen sich klar darüber 
werden, daß sie sich damit die Arbeitsmöglichkeit untergraben, den 
Ast absägen, auf dem sie sitzen, Gerade auf diesem Gebiet ist es Auf- 
gabe der Gewerkschaften, Erziehungsarbeit zu leisten. 
Mit den deutschen Messen allein — so wertvoll und unentbehrlich 
sie sind — kann die deutsche Ausfuhr nicht wieder in Schwung 
gebracht werden. Der ausländische Abnehmer muß wieder vom 
deutschen Vertreter persönlich aufgesucht werden. Spätestens mit 
Jahresschluß wird ihm das auch in den englischen Dominions, Kolonien 
und Mandatsgebieten wieder möglich sein, Erschwert bleibt ihm dann 
freilich dort wie in deren Mutterland die Errichtung eigener Handels- 
niederlassungen. Und in den elf Jahren, die wir fernbleiben mußten, 
sind wohl die meisten deutschen Kenner jener Absatzgebiete und 
bewährten Pioniere der deutschen Ausfuhr dahingegangen. Hier muß 
mühsam neu aufgebaut werden. Das ist nicht leicht, und die Erfolge 
werden sich auch erst allmählich einstellen; aber es ist nicht aussichts- 
los, Dabei wird der Deutsche im Ausland sich ständig bewußt sein 
müssen, daß er durch sein persönliches Auftreten eine politische Auf- 
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