Full text: Die deutsche Wirtschaft

5, 
Industrie und Finanz, 
Von Leopold Merzbach, Frankfurt am Main, 
Die starke Vermehrung der kulturfähigen Bevölkerung im Laufe 
des vorigen Jahrhunderts erforderte eine neue Wirtschaftsorganisation. 
Dank den Errungenschaften der Technik vollzog sich allenthalben ein 
industrieller Aufschwung, Auch das kaiserliche Deutschland mußte 
sich, um seine wachsende Bevölkerungszahl zu ernähren, vom vorwie- 
gend auf die Landwirtschaft eingestellten zum Industriestaat entwickeln. 
Die Arbeit für den heimischen Bedarf allein konnte aber die Existenz 
der Bevölkerung nicht sicherstellen: fremde Wirtschaftsgebiete mußten 
erobert werden, Neue Unternehmungen entstanden neben den alten, 
und kleinere weiteten sich zu großen aus, 
Die Organisation solch großer Wirtschaftsbetriebe erfordert drei- 
fache Leitung: 
Dietechnische, die, mit möglichst kleinem Aufwand, das sach- 
lich Vorzüglichste herzustellen, es den wechselnden Wünschen der Ab- 
nehmer anzupassen hat, 
Die allgemein kaufmännische, welcher der Einkauf von 
Rohstoffen und Halbfabrikaten und die Organisation des Absatzes mit 
niedrigstmöglichen Vertriebskosten obliegt. Durch geeignete Reklame 
muß für vermehrte Nachfrage gesorgt werden, 
Schließlich die eigentlich finanzielle Leitung. Sie dient 
dem Industriellen wie dem Kaufmann. Das Anlagekapital — Immo- 
bilien, Maschinen und Einrichtungen —, das Betriebskapital — Mittel 
für die Einkäufe und für Darlehen an die Kundschaft — sind von ihr 
bereitzustellen, 
Ein Unternehmen, das technisch auf der Höhe bleiben will, muß 
stetig wachsende Ansprüche an die Finanz stellen. Neue Investitionen 
müssen immer wieder erfolgen. Ihnen muß nicht nur der größte Teil 
der Erträgnisse zugeführt werden, darüber hinaus bedarf es neuen An- 
lagekapitals zur Erweiterung des Unternehmens, 
Der kaufmännische Leiter seinerseits ist in ähnlicher Lage, Absatz- 
vergrößerung wie billiger Einkauf bedingen reichlich vorhandene Be- 
triebsmittel.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.