fullscreen: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 2)

546 Sechzehntes Buch. Zweites Kapitel. 
daß er sich nicht mehr aus den Erträgen heimischen Ackerbaus 
zu ernähren vermochte; später, nach der Mitte des 16. Jahr— 
hunderts, hat dann die Statthalterin Margaretha von Parma 
geklagt, daß die heimischen Erzeugnisse kaum für ein Viertel 
des Jahres genügten; Frankreich müsse den Wein, England das 
Bier, die baltischen Küstengebiete das Getreide liefern. Und 
auch im Norden, der während des Mittelalters minder 
kultiviert war, zählte die Bevölkerung der Provinz Holland 
doch bereits im Jahre 1514 unter 400 000 Seelen insgesamt 
190 000, die in Städten lebten!. 
So war es begreiflich, daß mit der städtischen Kultur auch 
die politische Bedeutung der Städte überwog. Im Süden gab 
es schon während des Mittelalters neben den Stadtstaaten eigent— 
lich keine großen Vasallen mehr?; die vorhandenen Markgraf— 
schaften, Grafschaften und Herrschaften waren klein, wenn auch 
noch Sitze eines nicht unbedeutenden Adels. Und auch nördlich 
des Deltas, wo die städtische Entwicklung anfangs etwas zurück⸗ 
geblieben war, hielten sich'immerhin schon im 14. Jahrhundert 
Bürgertum und Adel die Wage?s. Seitdem aber hatte die 
Stellung des Adels sich keineswegs gebessert. Seine niedrigeren 
Stufen waren lange Zeit hindurch fast völlig untergetaucht vor 
dem Glanze des städtischen Patriziats, der Poorters im Süden, der 
Vroedschappen im Norden. Der hohe Adel aber hielt zwar mit den 
Standesgenossen des centralen Deutschlands enge Fühlung und 
wahrte dadurch seine Ebenbürtigkeit — so hat noch später Hoorne 
eine Gräfin von Neuenahr, Egmont eine Schwägerin Kurfürft 
Friedrichs III. von der Pfalz, Oranien eine Tochter Kurfürst Mo— 
ritzens von Sachsen geheiratet —, aber er ruinierte sich im Staats— 
dienst der Heimat. Und doch konnte er diesen nicht aufgeben, 
seitdem die Herrscher Burgunds das Land mit gering dotierten 
Statthaltereien ausgestattet hatten, deren Verwaltung fast allein 
noch Einfluß, militärisch-aktiven Charakter und hoheitliche 
Funktionen im Lande verlieh. So lebten denn gerade die 
Fruin, Eene hollandsche stad 2, S. 2. 
2 S. Band IV S. 454. 
s S. Band IV S. 136.
	        
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