Full text: Forstwirtschafts-Politik

130 Volkswirtschaftlicher Effekt. 
Gesamtholzgewinnung läßt sich unter Zugrundelegung eines durchschnittlichen Jahres- 
zuwachses von 3 bis 3,5 km je Hektar auf 16 bis 16,5 Millionen Festmeter schätzen, 
wovon aber nur 9,6 bis 10 Millionen Jestmeter Nutzholz sind. Die Tlschechoslowakei 
selbst Hat aber einen normalen jährlichen Eigenbedarf an Nutzholz von 8,7 Millionen 
Festmeter, der sich folgendermaßen auf die einzelnen Nutzholzverbraucher verteilt: 
Der normale Bedarf der inländischen Kohlengruben beträgt jährliche 700 000 chm 
an Bahnschwellen, Telegraphenmasten, Hopfenstangen u w. . . . ù9500 000 cbm 
der Möbel-, Holzbearbeitung und andere Industrien etwa . . . . 9900 000 chm 
der Papier- und Zellstoffindustrie . . . . . . .. „11.000000 cbm 
3000 Vollgatter à 2000 cbm jährlih . . . 6 000 000 cbm 
Normaler Inlandsbedarf 8 700 000 chm 
So daß also bei Annahme eines Durchschnittswertes der Nutzholzgewinnung von 
9,8 Millionen Festmeter jährlich höchstens 1,1 Million Festmeter Rundholz ausgeführt 
werden könnten. 
In Wirklichkeit werden aber weit größere Rund- und Schleifholzmengen ausgeführt. 
Die heutige Kalkulation stellt sich folgendermaßen: 
Rund- und Schleifholzexport in den ersten 8 Monaten 1925 . . 3,75 Millionen Festmeter 
Schätzungsweise Exportmenge in den restlichen Monaten . . . 1,25 Millionen Festmeter 
Gesamtexport 5,00 Millionen Festmeter 
Bedarf der Papierindustie. . . . . .. . . . .. . 1,00 Million Festmeter 
Schwellen, Masten, Stangen . . n. '. 0,50 Million Festmeter 
Reduzierter Bedarf der Bergwerke, der Möbel- und Bauindustrie 
(schlecht beschäftigt) . . . . ~ .,. 0,50 Million Festmeter 
Im ganzen 7,00 Millionen Festmeter 
Cs verbleiben für die inländische Sägeindustrie 2,8 Millionen Festmeter Rundholz 
bei einem normalen Bedarf von 6 Millionen Festmeter. „Daraus ergibt sich, daß die 
Sägeindustrie nur knappe 50 /o ihres Rundholzbedarfes einzudecken vermag und deshalb 
zu 50 '/a Einschränkung des Betriebes und zur Entlassung der halben Arbeiter gezwungen 
ist. Weiter ergibt sich aus dieser (der österreichischen Holzwirtschaftslage außerordentlich 
ähnlichen) Situation ein erbitterter Kampf um das Rundholz mit Preisexzessen, und 
es werden die inländischen Sägebesitzer gezwungen, dieselben Beträge für das Rundholz 
anzulegen wie die deutschen und schweizerischen Sägebesitzer, welchen durch die hohen 
Schnittholzeinfuhrzölle ein weiterer Spielraum gelassen wurde, während die inländischen 
Säger mit ihrer Fertigware durch die hohen Rundholzpreise die Konkurrenzfähigkeit 
auf den westlichen Absatzgebieten fast vollkommen eingebüßt haben und häufig noch 
genötigt sind, ihre Ware zu Verlustpreisen abzustoßen. Der Waldbesit, der im Vor- 
jahre einen Durchschnittspreis von 112 Kronen je Festmeter loko Wald festgesetzt hat 
und im heurigen Jahre häufig einen Durchschnittspreis von 225 bis 250 Kronen erhielt, 
ist selbstverständlich bestrebt, die heutige außerordentlich vorteilhafte Situation aufrecht- 
zuerhalten, und weiß auf die Regierung einen entsprechenden Druck auszuüben, so daß 
die schon seit vielen Monaten festgelegte Ausfuhrgebührenerhöhung für Stark- 
hölzer immer weiter hinausgeschoben wird und dadurch eine der wichtigsten Industrien 
zugrunde geht, welche an 40 000 Arbeiter beschäftigt. Denn der Staat ist als Besitzer
	        
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