Metadata: Bevölkerungslehre

2. Kap. Volkszahl und Volkswachstum 275 
die absolute Zunahme der Bevölkerung einen Rückgang zu erfahren 
braucht. | 
Nicht nur nach der ungünstigen Seite hin, im Hinblick auf die 
Grenzen, die durch den Nahrungsspielraum gezogen sind, kommt 
es allein auf das absolute und nicht auf das relative Wachstum an, 
das gilt auch von der günstigen Seite des Problems, wenn man 
etwa mit Carey oder Oppenheimer in dem Wachstum der Be- 
völkerung die treibende Kraft alles wirtschaftlichen Fortschrittes er- 
blickt. Trotzdem kommt es natürlich auch ganz wesentlich auf die 
Höhe und die zahlenmäßige Entwicklung der Zuwachsrate an, 
wenn man die Tendenzen des Volkswachstums betrachten will. Man 
ist auch mit Hilfe der Zuwachsrate imstande, sich ein Bild von dem 
zu erwartenden weiteren Volkswachstum zu machen. Man kann 
nämlich die Zuwachsrate als gleichbleibend und als dauernden Ver- 
mehrungssatz annehmen und auf dieser Grundlage mit Hilfe der 
Zinseszinsformel die sogenannte Verdoppelungsperiode einer 
Bevölkerung berechnen. Schon Rümelin hatte in der oben wieder- 
gegebenen Tabelle über die Vermehrungsfähigkeit einer Bevölkerung 
von dieser Methode Gebrauch gemacht. Benutzt man nun die tat- 
sächliche Vermehrungsquote, so ergibt sich, daß sich in einer ganzen 
Reihe von Staaten in den letzten Jahrzehnten die Verdoppelungs- 
perioden nicht unerheblich verkürzt haben, Es betrug, berechnet 
nach der natürlichen Zuwachsrate in den angegebenen Jahren die 
Verdoppelungsperiode in !) 
England u. Wales 
Deutsches Reich 
Niederlande 
Belgien 
Dänemark 
Schweden 
Norwegen 
S41—1845 
62,9 
65,8 
66,4 
74:1 
56,4 
62,8 
52,8 
-871—1875 1901— 1905 
K 7 57:6 
‚1 46,9 
65,8 45:6 
75:8 65,1 
61,7 41 
56,2 65,8 
54,0 49,5 
Eine solche Art der Berechnung macht es deutlich, welche 
wirtschaftlichen Probleme in einem solchen Volkswachstum enthalten 
öind. Bortkiewicz hat dazu bemerkt, daß ein Vermehrungssatz 
von sieben auf Tausend (genauer von 6,96) einer Verdoppelung der 
Bevölkerung in 100 Jahren entsprechen würde ?%. Freilich ergeben 
1) Zusammengest. nach Brentano, Die Bevölkerungslehre. In .,,Konkrete 
Grundbedingungen‘“, a. a. 0. — Vgl. dazu auch Bortkiewicz, Bevölkerungswesen, 
1919, S. 8— 11, 
%) Bevölkerungswesen, S. 10—11.
	        
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