Metadata: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Weltanschauung. 
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Bewußtseins aber umschließt Gott, sie untereinander ver— 
knüpfend, in unendlicher Fülle die niedrigeren Bewußtseins— 
einheiten: die Gestirne, deren jedem wie eine Sinnenwelt so 
eine über dieser emporsteigende Bewußtseinseinheit eignet, dann 
die Organismen auf diesen Gestirnen, auf unserer Erde vom 
Menschen herab bis zu der für uns noch wahrnehmbaren 
Pflanzenseele. Die niedrigeren Bewußtseinseinheiten aber sind 
sich ihres Inbegriffenseins in die höheren und höchsten nicht 
unmittelbar bewußt. Wohl aber geht die menschliche Bewußt— 
seinseinheit nach dem Tode dereinst als ein neues Entwicklungs— 
moment in ein weiteres und höheres Leben ein und gewinnt 
daran Anteil. So werden wir wiedergeboren werden in einem 
neuen Leibe, unter freieren Schranken der Wirklichkeit, in 
innigerem und höherem Verkehr mit über uns stehenden Geistern. 
Was Fechners Denken kennzeichnet, das ist die stärkere 
Berücksichtigung des von den früheren Systemen in Be— 
wegungsformen aufgelösten Realgrundes: mehr als diese 
sucht er vorstellbar und anschaulich zu machen, wie Geist und 
Natur, Realgrund und Idealgrund des Seins zusammengehen 
können, ohne daß der eine den anderen überwiege und im 
Grunde verdränge. Dabei ist klar, daß ihn die Auffassung 
der psychischen Aktualität als eines der physischen Bewegung 
nicht allzufern stehenden Vorganges dazu befähigt hat. Und 
das ist denn überhaupt der Grundzug der Entwicklung seit 
dem 16. Jahrhundert: je mehr die unteren seelischen Vorgänge 
erkannt werden, um so mehr verengt sich der grundsätzliche 
Abstand zwischen Natur und Geist, um so mehr wird der 
Monismus, bisher zunächst Forderung, anscheinend Thatsache. 
Wohin die Richtung in dieser Hinsicht geht, das mag an 
den Gedanken von Feldeggs illustriert werden, der in mancher 
Hinsicht wohl als ein Vertreter jüngsten metaphysischen Denkens 
genannt werden kann („Philosophie des Gefühls“, 1900). 
Feldegg will die Verbindung von Materie und Bewußtsein, 
die man bisher nur immer rein logisch, in abstracto vollzogen 
habe, rein konkret und thatsächlich herstellen. Die Materie 
habe sich der naturwissenschaftlichen Forschung jetzt als kraft— 
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