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die hier vorausgesetzt wird, die statische Preisrelation nicht ver-
ändert hat. Sie ist nach ihrem Ablauf genau die gleiche wie
vor ihrem Beginn. Sie ist unabhängig von der Größe der Nach-
frage und der Menge des Produkts.
Es fällt mir ja durchaus nicht ein, zu bestreiten, daß der
subjektive addierte Begehr der Mitglieder einer Wirtschaftsgesell-
schaft kinetisch auf die Preise „einwirkt“, daß das alles in Rechnung
gezogen werden muß, solange es sich darum handelt, die empirischen
Tatsachen und ihre Zusammenhänge zu gewinnen, die dann als
„Daten“ in unsere Rechnung eingestellt werden müssen, um von
hier aus die Statik und damit den Erkenntnisgrund für die gesuchten
Größenbeziehungen zu gewinnen. Ich will mich hier noch
einmal abschließend prinzipiell über das Verhältnis der subjekti-
vistischen Auffassung zur eigentlich ökonomistischen äußern:
Was die Klassik behandelte, und was man von jeher als
„Nationalökonomie“ bezeichnete, ist ausschließlich die Lehre von
der Marktwirtschaft. Diese Lehre war, wie gesagt, in allen
ihren guten Vertretern essentiell statisch, konnte nur statisch sein.
Das bedingte gewisse Voraussetzungen, u. a. auch die, daß An-
gebot und Nachfrage konstant sind, d. h. daß die Personalwirt-
schaften in ihrer Statik fungieren. Diese Supposition ist an sich
ohne weiteres gestattet. Aber es konnte wohl die Frage gestellt
werden, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Angebot
und Nachfrage konstant sein können.
Die eine dieser Bedingungen kennen wir bereits: das dyna-
mische Gleichgewicht der Marktwirtschaft muß hergestellt, die
Konkurrenz auf ihrem Ruhezustande angelangt sein. Solange
nämlich die Preise schwanken, ist es unmöglich, daß Angebot und
Nachfrage konstant bleiben, weil sie durch jede Preisänderung in
der bekannten Weise beeinflußt werden.
Aber es ist eine zweite Frage möglich, wenn auch national-
ökonomisch von keiner Bedeutung. Sie lautet: wie muß die
Versorgung der Individuen beschaffen sein, damit sie auch bei als
konstant angenommenen Preisen keine Veranlassung haben, weder
ihre Nachfrage, noch ihr Angebot zu ändern?
Dieses Problem ist, wie Amonn selbst sagt, durchaus nicht
nationalökonomisch. Es ist rein psychologisch. Nun hat die
Psychologie es leider versäumt, wie die von uns bedurften Grund-
begriffe (z. B. Bedürfnis, Trieb usw.) überhaupt, so auch diesen
Gegenstand zu untersuchen und uns, hier in der Rolle unserer
Hilfswissenschaft, fertig zubereitet und zuverlässig darzubieten.