Den Preisabbau muß man bei den zu hoch bezahlten
Menschen und bei der Ausschaltung entbehrlicher, zu wenig
leistender Menschen bewirken. Ein Preisabbau bei den Waren zeigt
von einer allzu wenig komplizierten Auffassung der Zusammenhänge im
Wirtschaftsleben.
Wir leiden heute ganz allgemein an einer Unterproduktion einerseits
und einem Uberkonsum andererseits. Hohe Preise sind aber der erste Anreiz
zur Mehrproduktion und der Zwang zum Minderverbrauch. Niedrige
Preise mit vermindertem Konsum lassen sich nur in der Zwangswirtschaft
vereinigen, und auch hier nur unter der Voraussetzung, daß man eine solche
auch durchführen kann, was natürlich im Frieden noch viel weniger gelingen
kann als im Kriege.
Ebenso töricht wie der Ruf nach einem Preisabbau ist auch der nach
einem Abbau der Arbeitslöhne. Bei steigenden Kosten der Lebenshaltung
ist ein solcher nicht möglich und nicht zulässig. Zulässig und möglich ist
nur eine Minderung der Arbeitskosten pro Einheit des erzeugten Produktes.
Eine solche Minderung der Stückkossten ist zu erzielen nur durch erhöhte
Leistungen aller in Betracht kommenden Arbeitskräfte. Entscheidend sind
dabei vornehmlich diejenigen Arbeitskräfte, welche den ganzen Arbeitsprozeß
rationalisieren können, und das sind die geistigen Arbeite. Mehrarbeit
und rationellere Arbeit aller sogenannten gebildeten Stände
muß also der Haupthebel sein, der aus den Nöten der Zeit allmählich
heraushelfen kann.
Andererseits darf auch der Arbeiterstand nicht hoffen, durch erhöhte
Geldlöhne seine Lage bessern zu können, solange die Möglichkeiten der Beschäftigung
nicht wachsen. Auch bei Löhnen, welche durch Tarife fixiert
sind, steigt und fällt das Einkommen des ganzen Arbeiterstandes mit den
Besschäftigungsmöglichkeiten. Sinken sie, so behalten zwar die noch in voller
Arbeit stehenden Arbeiter ihren Lohn, es wächst aber die Zahl der Kurzarbeiter
und der Arbeitslosen. Früher sanken bei abfallender Arbeitsgelegenheit
die Löhne aller Arbeiter und es wurde mehr und billiger gearbeite,,
um das Einkommen hoch zu halten. Damit stieg dann die
Konkurrenzfähigkeit der hergestellten Waren und folgend auch das Einkommen
der Arbeiter wieder. Heute dagegen fehlt es in den Unternehmungen zum
großen Teile an den Möglichkeiten, die Konkurrenzfähigkeit ihrer Waren bei
stockendem Absatze durch Verbilligung derselben zu steigern. Sinkende Warenpreise
der Industrievrodukte mit Absatzstockungen führen heute eben viel
schneller zu einer Einschränkung der Produktion und damit zu einem teilweisen
Leerlauf der Fabrikanlagen, weil der Unternehmer nicht die Möglichkeit
hat, durch Reduktion der Löhne die Warenpreise zu senken und den
Absatz dadurch zu steigern. Darum ist das ganze Tarifwesen meiner Uber-10