Full text : Agrarkrisis und landwirtschaftliche Betriebsorganisation

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zeugung nach auf die Dauer unhaltbar, wenn es nicht durch einen gebildeten,
die Produktionsmöglichkeiten mit übersehenden Betriebsrat beweglich gemacht
wird. Ich kann hier leider auf diese wichtigen und interessanten Lohnprobleme
 nicht näher eingehen. Ich wollte Ihnen kurz andeuten, wie sehr
die Frage der Konkurrenzfähigkeit unserer Industrie auch mit inneren
Problemen zusammenhängt, die sich noch völlig in Fluß befinden. Von
ihrer Lösung hängt aber die Kaufkraft unserer städtischen Bevölkerung in
hohem Maße mit ab und damit auch die Frage der Gesundung der deutschen
Landwirtschaft.
Ähnlich so sieht es mit den Fragen des Geld- und Kreditwesens aus.
Statt einer Besserung unserer Geld- und Kreditverhältniste sind dieselben
in diesem Jahre immer schlimmer geworden. Noch im März d. J. stand
beispielsweise der Kurs der schlesischen landwirtschaftlichen achtprozentigen
Goldpfandbriefe auf 84%, ihres Nennwertes. Im Oktober waren sie bis
auf 63%, gefallen. Die zehnprozentigen gleichartigen Papiere standen im
März 92%,, im Oktober 77%). Die zehnprozentigen landschaftlichen
Pfandbriefe der Provinz Sachsen standen zu den gleichen Daten 91"/,
bezw. 79 9%.
Solange aber der Kurs der Grundhypotheken der deutschen Landwirtschaft
 so niedrig steht und so sinkt, können die landwirtschaftlichen Kreditanstalten
 das Beleihungsgeschäft unmöglich forcieren, denn sie würden
andernfalls zufolge Uberangebot den Kurs der Pfandbriefe noch mehr
drücken, so daß der Landwirt beim Verkauf der Pfandbriefe für ein Spottgeld
 eine ungeheure Schuldenlast auf sich laden würde. Er fährt dann
immer noch besser beim Wechselkredit, den er leichter wieder abdecken kann.
Diese Verhältnisse aber drücken erschreckend auf die Güterpreise. Wir
haben heute genau die umgekehrte Sachlage wie nach dem siebenjährigen Kriege.
Damals sank der Zinsfuß der Landhypotheken infolge der Gründung der landschaftlichen
 Kreditinstitute und infolge der starken Nachfrage nach landschaftlichen
 Pfandbriefen seitens einer sparsamen Stadtbevölkerung schnell,
zugleich aber stiegen die Güterpreise. Mit den steigenden Güterpreisen aber stieg
wiederum die zulässige Beleihungsgrenze des Landgutes. Die steigende Kaufkraft
 des Volkes und sein wachsender Sparsinn bedeuteten Absatz für die
Pfandbriefe zu guten Kursen bei sinkenden Zinsen. Heute bewirken die Geldknappheit
 und die hohen Zinssätze zuerst ein Sinken der Kurse der Grundhypotheken
 und dann der Landgüterpreise. Mit dem Absinken der letzteren
aber sinkt wiederum die Kreditwürdigkeit der Landwirtschaft. Es ist genau
derselbe unglückliche Cirkulus vitiosus wie bei den Aktien. Der Geldmangel
drückt diese Kurse. Der Kursschwund der Aktien aber drückt wiederum
auf die Kreditwürdigkeit aller Aktienbesitzer, welche Aktien lombardieren
müssen.

EJ.
            
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