Die chemische Prüfung bedingt natürlich ein Umgehen mit Säu-
ren, Laugen usw., und mehr als einmal wurde mir die Frage entgegen-
gehalten: Können wir das dem Handwerker zumuten, kann dabei
nicht durch Unvorsichtigkeit und Leichtsinn großes Unheil angerich-
tet werden? Bei manchen Handwerksbetrieben mag man mit Recht
über diese Frage streiten, Gerade in der Malerwerkstatt ist aber in
dieser Beziehung sicher nichts zu fürchten. Der Maler arbeitet ja
sowieso schon vielfach mit ätzenden Flüssigkeiten, Laugen, Terpen-
tinöl usw., die in weiterem Sinne als Gifte aufzufassen sind, und ist
gewohnt, damit umzugehen, So ist bei ihm das notwendige tech-
nische Verständnis dafür vorhanden und es bedeutet keine Gefahr,
wenn er sich ein paar Säuren und Laugen mehr gebrauchsfähig zur
Hand stellt, zudem der Meister. solche chemischen Prüfungen im all-
gemeinen stets selbst ausführen und nicht gerade seinen jüngsten
Lehrling damit beauftragen wird, Eine andere Frage aber ist es, wie
weit eine chemische Untersuchung vom Nichtchemiker mit Erfolg
ausgeführt werden kann, Daß eine vollständige quantitative Ana-
lyse, d.h. Bestimmung der Verschnittmenge oder der genauen Zu-
sammensetzung etwa einer Mischfarbe wie: Zinkgrün, Chromgrün
usw. für den Malermeister nicht in Frage kommen kann, ist einleuch-
tend, Aber er kann durch einfache Proben in vielen Fällen leicht
erkennen, ob eine als rein gelieferte Farbe wirklich rein oder ver-
schnitten ist und ebenso, ob ihm statt der gewünschten Farbe ein
Ersatzfarbstoff geliefert wurde, ob dieser mit Teerfarbe versetzt ist
usw, Nach solchen Proben kann er dann entscheiden, ob es zweck-
mäßig ist, eine Farbe zur genauen quantitativen Untersuchung dem
Chemiker zuzustellen, und kann in vielen Zweifelsfällen die Kosten
für die Untersuchung einer Farbe, die nachher als einwandfrei er-
kannt wird, sparen, Außerdem hat er oft bereits in wenigen Mi-
nuten recht gute Anhaltspunkte für die Qualität seiner Rohstoffe,
Wir gehen nun zum praktischen Teil der Materialprüfung über
und fragen uns, welche Einrichtungen und Reagentien zur einfachen
Prüfung von Farben notwendig sind, und wie wir diese vorteilhaft
und gefahrlos aufbewahren und anwenden. Wir brauchen zunächst
folgende Säuren und Laugen:
1. Salzsäure 10%ig,
2, Salzsäure 50%ig,
3. Salzsäure konzentriert,
4. Salpetersäure 10%ig,
5. Essigsäure 10%ig,
6, Natronlauge 10%ig,
7. Kalilauge 10%ig,
8, Kalilauge 50%ig (oder stärker),
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