und die im Interesse des Malergewerbes nicht unwidersprochen blei-
ben dürfen, Es sollen deshalb im folgenden einige qualitative Reak-
tionen besprochen und besonders auch diejenigen Methoden erwähnt
werden, die leicht zu Täuschungen Veranlassung geben. Es wird dar-
aus ersichtlich sein, daß selbst die einfachsten zuverlässigen Proben
eben doch noch zu umständlich und zu schwierig sind, um für den
Nichttechniker anwendbar zu sein.
Zunächst sei der Verschnitt mit Mineralöl genannt. Wie bereits
erwähnt, wird hierdurch die Trockenfähigkeit vermindert. Die Prü-
fung der Trockenfähigkeit ist verhältnismäßig einfach und zuverläs-
sig. Ein Tropfen Firnis wird auf einer Glasplatte von etwa 10 X 10
Zentimeter gut verrieben und soll nach 24 Stunden trocken sein. Eine
ganz leichte Klebrigkeit ist nicht von Bedeutung, da diese beim Ver-
arbeiten der mit dem Firnis angeriebenen Farbe verschwindet. Nun
zeigt sich jedoch schon ‚eine Schwierigkeit darin, daß ein evtl, gleich-
zeitiger größerer Harzzusatz die Trockenfähigkeit — wenn auch nur
vorübergehend — wieder erhöht und somit ein sicheres Urteil nach
der Trockenfähigkeit allein nicht gewährleistet ist. Viel genannt
wurde uns auch die Prüfung auf Mineralöl durch Verseifen des Fir-
nisses mit Kalilauge. Die Methode beruht darauf, daß Leinöl beim
Schütteln mit Kalilauge verseift, d, h. eine Seife bildet, die vollstän-
dig erstarrt, während Mineralöl dabei flüssig bleibt, Wir konnten
durch Versuche feststellen, daß einige ccm Firnis, der absichtlich mit
etwa 15 % Mineralöl versetzt war, beim Schütteln mit Kalilauge nach
kurzer Zeit ebenfalls vollständig fest wurde. Es beruht dies darauf,
daß die flüssig bleibenden Teilchen von Mineralöl von der viel grö-
ßeren Menge der sich bildenden und erstarrenden Seife so fest einge-
schlossen werden, daß sie als Flüssigkeit nicht mehr erkennbar sind.
Jedenfalls geht daraus hervor, daß diese Probe zur Erkennung ge-
ringer Zusätze von Mineralöl durchaus unbrauchbar ist. Zuverlässig
ist die Prüfung durch Verseifen mit alkoholischer Kalilauge, doch ist
die Probe immerhin recht umständlich, Etwa 5 bis 6 Tropfen Firnis
werden im Reagenglas mit einigen ccm alkoholischer Kalilauge (einer
Lösung von Ätzkali in Alkohol) übergossen und einige Minuten vor-
sichtig zum Sieden erhitzt, Verdünnt man dann diese Lösung mit
destilliertem Wasser, so zeigt sich, wenn Mineralöl vorhanden war,
eine sehr starke milchige Trübung und nach längerem Stehen (einige
Stunden) bildet sich an der Oberfläche der Lösung eine Ölschicht.
Nur wenn sich eine erhebliche Ölhaut bildet (die Trübung in der L6ö-
sung verschwindet dabei wieder) ist auf eine Verfälschung mit Mine-
ralöl zu schließen, da die Trübung beim Verdünnen mit Wasser auch
durch einen geringen Resinatgehalt (Sikkativ) verursacht werden
kann.
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