noch nicht richtig erkannt. Heute gibt es an deutschen Hochschulen
noch keinen einzigen Lehrstuhl für das Fachgebiet der trocknenden
Öle, Harze und sonstigen Rohstoffe, der Farbebindemittel und Lacke,
Die Lackindustrie allein, zum großen Teil eine Kleinindustrie, ist
nicht in der Lage, wissenschaftliche Forschung zu betreiben, Die
Neulandarbeiten der größeren Betriebe bleiben einerseits Betriebsgeheimnisse
und genügen anderseits natürlich nicht, um die große
Fülle der vorliegenden Aufgaben schnell und erfolgreich zu erfassen.
Der Verband Deutscher Lackfabrikanten hat diesen bedenklichen
Mangel an behördlicher Unterstützung, das Fehlen geeigneter Lehrstühle
für dieses wichtige Arbeitsgebiet in seiner letzten Generalversammlung
behandelt und den Gedanken ausgesprochen, nötigenfalls
eine geeignete Forschungsanstalt zu gründen, Mit’ der Verwirklichung
dieses Gedankens wäre aber keineswegs genügend genützt, denn eine
Solche Forschungsanstalt würde meistens auf schwachen Füßen
stehen, Sie hätte vor allen Dingen auch den Nachteil, daß dort nicht,
wie auf den Hochschulen, im ordnungsmäßigen Lehrgang akademischer
Nachwuchs herangebildet werden kann,
Der Ausbau der wissenschaftlichen Forschung auf dem Gebiet
der Öle, Harze, Farbenbindemittel und der gesamten Anstrichmittel
ist letzten Endes nicht nur eine Angelegenheit der Farbenverbände,
Sondern ist in noch größerem Umfang Aufgabe der Verbraucherkreise,
einschließlich der Behörden, der Reichsbahn, der Schiffahrt
Sowie des neuen Bundes zur Förderung der Farbe im Stadtbild und
des Deutschen Verbandes für Materialprüfungen der Technik, Wenn
diese alle. einmal gemeinsam ihren Ruf nach wissenschaftlicher Förderung
dieses volkswirtschaftlich wichtigen Arbeitsgebiets an die
maßgebenden Behörden richten, dann kann sehr wohl ein beträchtlicher
Schritt getan werden.
Über Ölfarben, Rostschutzfarben und Lacke herrscht in weiten
Kreisen noch eine starke Unkenntnis. Erst in neuester Zeit hat die.
Reichsbahn durch Festsetzung von Lieferbedingungen auf diesem Gebiet
einen Schritt vorwärts getan, Bisher sind aus Unkenntnis vielfach
Rostschutzfarben verarbeitet worden, die beispielsweise eine
nur vierjährige Haltbarkeit im Wetter zeigen und dadurch viel zu
Stark durch Arbeitslohn belastet sind, während praktisch die Verwendung
von Farben, die um 25, ja selbst 50 v. H, teurer waren,
durch . ihre längere Haltbarkeit wesentlich billigere und. bessere:
Unterhaltung der Eisenbauten ermöglicht hätte, Über diese eigenartig
rückständigen Verhältnisse hat Baurat Hülsenkamp, Berlin, in
Sinem Aufsatz „Wirtschaftlichkeit beim Anstrich von Eisenbauwerken“
in der VDI-Zeitschrift Band (1925), Nr. 38, ausführlich be-47