Die Bodenreform im Lichte des Freihandels.
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■wir froh, wenn sozialer Druck und die Not die Arbeitgeber
belehren, daß noch andere Formen der Produktion Platz,
finden müssen; aber unserer Anschauung gemäß bildet die
Ausbeutung durch die Arbeitgeber nicht den Kern der
sozialen Frage, denn die meisten derselben sind selbst Aus
gebeutete. Das wird nun in Bälde wieder recht deutlich
in die Augen springen, wenn die Produzenten keinen Absatz,
für die enorm vermehrten Produkte haben werden. Das
Kartenhaus erträumter Gewinne fällt zusammen, da keine
Käufer vorhanden sind. Auf Grund der wirtschaftlichen
Ordnung sammeln sich die Ansprüche auf die Produkte in
wenigen Händen, die sie nicht aufzehren können. Da
aber bares Geld von den Kenten- und Zins verpflichteten
verlangt wird, so sind diese gezwungen, ihre Waren auf
dem Weltmärkte abzusetzen, auf dem die Nachfrage, wegen
der Unfähigkeit der Massen zu kaufen, fehlt. Es tritt dann
wieder der Zustand ein, den man „Überproduktion“ nennt,
obwohl er in Wahrheit eine „Unterkonsumtion“ ist. Doch
verlassen wir vorläufig diese Erörterungen, auf die wir später
ausführlicher zurückkommen.
Es erübrigt noch, auf die ziffernmäßige Abnahme des
Anteils der Massen an dem Nationaleinkommen in den
letzten Jahren hinzuweisen. Erwiesenermaßen ist derselbe
in England seit 10 Jahren von 40 auf 25 Prozent gesunken.
Und welche Riesenvermögen sich schon in den Vereinigten
Staaten von Nordamerika angesammelt haben, möge eine
Tabelle, welche der New-Yorker Statistiker Thomas G. Shear-
man aufgestellt hat, lehren. Von besonderem Interesse
ist dabei noch, daß unter den Hauptausbeutern der ehrlichen
Arbeit sich eine Kirchengemeinschaft an erster Stelle findet.
Die zahlreichen Besitze nur weniger Millionen ließ er vor
läufig ganz außer acht, denn solche kann ja fast jeder
nennenswerte Ort der Vereinigten Staaten aufweisen. Erst
wo die Vermögen die enorme Summe von 20000000 Dollar