Die Naturphilosophie. — Campanella.
der reinen Wissenschaft, gehen die Begriffe des Raumes und der
Zeit, der Tätigkeit und des Leidens, der Form und der Materie zu-
rück. Wenn Aristoteles die Leistung des Sinnes darauf einschränkt,
dass er uns das „Was“, nicht das „Warum“ eines Gegenstandes
oder Vorganges zu erkennen gebe, so ist auch diese Begrenzung
hinfällig. Denn einen Inhalt begründen und ableiten heisst ihn,
Jer an und für sich ungenügend und ungewiss ist, auf einen
anderen sichereren Ursprung zurückleiten. Der sinnliche Ein-
Iruck dagegen ruht in sich und trägt seine Gewähr unmittelbar
in sich selbst; gerade dieser Vorzug und dieses ihm eigentümliche
Privileg ist es, das ihn jeder weiteren Nachforschung nach ent-
fernteren „Gründen“ überhebt. Wo das Bedürfnis „rationaler“
Deduktion noch besteht, da ist eben dies der Beweis dafür, dass
Jas höchste Ziel der Evidenz noch nicht erreicht ist, dass ein
letzter Halt, der nur in einer unmittelbaren Wahrnehmung liegen
kann, noch vermisst wird. Die Vernunft, die aus einer Gruppe
von Objekten die gemeinsamen Merkmale heraushebt, vermag
eben darum die Empfindung, in der sich uns die volle Konkre-
tion des Gegenstandes erschliesst, an Bestimmliheit nicht zu er-
reichen: sie ist ein „unvollkommener Sinn“, der das Objekt nicht
in seiner eigenen Natur, sondern nach seiner generischen Achn-
lichkeit mit anderen gleichartigen Dingen erfasst.48)
Alle diese Ausführungen besitzen nun aber in Campanellas
Metaphysik von Anfang an ein eigentümliches Gegenbild, das sie
berichtigt und ergänzt. Das Werk beginnt mit einer ausgebil-
deten Theorie des Skepticismus, die zwar nirgends als eigene,
andgültige Lehre behauptet wird, die sich jedoch in der Ausführ-
lichkeit und Genauigkeit, mit der sie dargestellt wird, als ein wich-
tiges bedingendes Moment der logischen Gesamtentwicklung er-
weist. In der Tat ist, näher betrachtet, die Skepsis das natürliche
Correlat und die notwendige Kehrseite des Erkenntnisideals,
das bisher gezeichnet wurde. Wir erfassen die Aussendinge nur
in den Eigenbewegungen unseres Geistes: welches Miltel aber ver-
möchte uns zu lehren, die zufällige und die wesentliche Bewegung,
die fremde Zutat und das wahrhafte Sein des Gegenstandes zu
scheiden? Dem Kreise der Subjektivität ist nirgends zu entrinnen,
„jeder besitzt eine eigene Philosophie, je nachdem er in verschie-
Jlener Weise von den Dingen sinnlich bestimmt wird“. Man glaube