fullscreen: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

Wirtschaftliche und soziale Wandlungen vom 14. zum 16. Jahrh. 79 
Stand aus den nachgeborenen Söhnen bäuerlicher Hüfner, und 
immer mehr wurden die Hufen selbst geteilt; im 15. Jahr— 
hundert war die Viertelhufe in stark bevölkerten Gegenden 
schon zum bäuerlichen Normalgut geworden. 
War da der freie Zug der alten Markverfassung aufrecht 
zu erhalten? Der Bauer der früheren Zeit hatte keine eigent— 
liche Nahrungssorge gekannt; in bösen Zeiten, bei Hungersnot 
und Mißwachs, hatte er hineingegriffen in die noch uner— 
— 
Fischfang: sie hatten seinen Rückhalt, seine Lebensversicherung 
für alle Fälle gebildet. Jetzt schleppte er sich auf der Viertels⸗ 
hufe seiner Ahnen dahin, knapp, kümmerlich, schlecht und recht. 
Und die Almende bot ihm in böser Zeit nicht mehr die alte 
Stütze. Durch die Zersplitterung der Hufen, durch die Ent— 
wicklung eines kleinen Häuslertums waren der Kostgänger auf 
ihr gar viel geworden, und keinen hatte lange Zeit hindurch der 
aristokratische und darum gastfreie Charakter der alten Markver— 
fassung auszuschließen gestattet. Nun gab es ein Drängen und 
Schieben auf der gemeinen Nutzung; es bedurfte eingehender Rege— 
lung des Holzschlags, des Viehtriebs, der Wassernutzung, selbst das 
Gras auf den Wegrainen ward schon Verordnungen unterworfen. 
So kam ein kleinlicher Zug je mehr und mehr in die Ver— 
waltung des gemeinen Eigens, in die Markgenossenschaft selbst. 
Dahin war die alte Breite des Lebens, nur im Kampf und 
Zwist, im nimmer vollendeten Ausgleich engster Interessen⸗ 
gegensätze, selbst engherzig werdend, vermochte man zu bestehen. 
Und wäre noch dieser Verfall des öffentlichen Charakters 
ländlichen Lebens, diese Verknöcherung der alten Wirtschafts— 
verfassung die einzige Sorge des platten Landes gewesen! 
Ganz anders noch griff die Grundherrschaft nicht bloß in die 
freie geistige und politische Ausbildung, sondern noch viel mehr 
in die nackten materiellen und sozialen Grundlagen einer 
menschenwürdigen bäuerlichen Existenz ein.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.