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Wirkung der Der volkswirtschaftliche Einfluß dieser Kursschwankungen ist nun
Kursschwan- ejn äußerst nachteiliger, zunächst auf den internationalen Handel und
kungen. dqj;g Produktionszweige, welche mit diesem in Zusammenhang stehen.
Ein niedriger Kurs des Papiergeldes wirkt naturgemäß wie ein Schutz-
zoll. Das Ausland kann seine Waren im Inlande nicht mit Nutzen
verkaufen, weil es entwertetes Papier dafür erhält, und die Einlösung
in Gold zur Benutzung im Exportlande Verluste in sich schließt. Die
heimische Produktion hat dagegen zunächst einen Vorteil durch den
niedrigen Stand der Papierwährung. Was der heimische Producent im
Auslande absetzt, wird mit Metall bezahlt, wofür im Inlande größere
Summen in Papier zu erlangen sind; während zunächst die heimischen
Preise und Löhne noch unverändert bleiben. Deshalb ist bei einer Ent-
wertung der Papierwährung zunächst vielfach eine Anregung der hei-
mischen Produktion beobachtet, weshalb deutsche Agrarier, wie nord-
amerikanische Farmer und Fabrikanten für die Papierwährung schwärm-
ten. Umgekehrt wird dann ein Steigen des Kurses den Schutzzoll
wie die Ausfuhrprämie vermindern. Als Anfang der 60er Jahre der
Kurs der österreichischen Gulden sehr niedrig stand, machte es sich be-
zahlt, Mastrvieh aus Böhmen und Mähren nach England zu exportieren;
und einige Zeit hindurch gingen regelmäßig in der Woche einige Züge
mit Mastvieh nach Bremen. Als sich der Kurs des Guldens hob, ging
der Nutzen dieses Kxports verloren, und die Ausfuhr mußte aufhören.
Die Kursschwankungen aber, die bei Papierwährung unvermeid-
lich sind, machen den Verkehr mit dem Auslande und die heimische
Arbeit für den Export so gefahrvoll, daß sie dabei nicht nachhaltig
zu gedeihen vermögen. Jede solide kaufmännische Spekulation hört
auf, und es tritt die Börsenspekulation an die Stelle, die bald auf das
Sinken, bald auf das Steigen der Kurse rechnet und davon Gewinn
zu ziehen sucht. Sind auf Grund eines niedrigen Kurses Fabriken
entstanden, die exportieren wollen, oder unter jenem Schutze die Kon-
kurrenz des Auslandes nicht zu fürchten brauchen, so kann ein nach-
haltiges Steigen des Kurses sie vollständig ruinieren. Es ist deshalb
die allgemeine Beobachtung gemacht, daß die Papierwährung die
solide Produktion beeinträchtigt, dagegen eine allgemeine Spekulations-
wut im Lande groß zieht. In richtiger Erkenntnis dieser Verhält-
nisse suchte England in Indien den Kurs der Silberrupie, der ebenso
schwankend war, als der des Papierrubels, 1893 künstlich im Werte
zu fixieren. Und Rußland hat Ende der 90er Jahre große Summen
aufgewendet, um durch Aufkauf und Verkauf der Papierrubel den
Kurs gleichmäßig zu halten, bevor man zur Metallzahlung übergehen
konnte.
Wir geben in den folgenden Tabellen eine Uebersicht der Kurs-
schwankungen des Papiergeldes verschiedener Staaten.
Statistik.
Das Agio ’n Oesterreich‘):
Jahr
1848
1849
1850
‘851
1852
1853
‚854
Waximum
17,00
27,00
50,00
34.00
25,00
16,75
16.50
Minimum
1,00
5,00
11,00
16,75
10,00
7,75
14,75
1) Lexis im Handwörterbuch, 2. Aufl. „Papiergeld“.