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theorie bemerkt, daß man in der Statik auf die regelmäßigen
Erträge nicht zu „warten‘‘ braucht, was doch nur dann einen
Einwand gegen die Abstinenztheorie bilden kann, wenn damit ein
buchstäbliches Zusammenfallen von Aufwand und Erfolg ge-
meint ist.
Man könnte nun bei oberflächlicher Betrachtung noch auf
den Gedanken kommen, daß für den Kapitalisten die Dinge
in der Statik doch anders als in der Dynamik liegen. Stellen
wir uns vor, auf einer einsamen Insel, wo man bisher der pri-
mitiven Nahrungssorge obgelegen hat, erscheint eines Tages ein
Kapitalist, der die Subsistenzmittel für eine erst am Ende von
zwei Perioden — eine Periode gleich einem Jahre — genußreife
Güter liefernde Methode vorschießt; dann gibt es offenbar erst
nach zwei Jahren genußreife Produkte, und der Kapitalist
kann erst dann die vorgeschossenen Genußgüter zurückerhalten.
Wenn man sich aber vorstellt, daß die Produktion, wie im
Schumpeterschen Beispiel, einjährig gestaffelt wird, also,
wenn die Wirtschaft wieder stationär ist, am Ende jedes Jahres
genußreife Produkte aus dem Produktionsprozeß herausfließen,
so könnte man allenfalls auf den Gedanken kommen, daß unser
Kapitalist jetzt nur noch ein Jahr zu warten braucht; was weiter
zu dem Schluß führen würde, daß in der modernen Wirtschaft,
wo die Staffelung eine sehr große ist, wo es sehr viele Produktions-
stadien gibt und infolgedessen kontinuierlich genußreife Güter
dem Produktionsprozeß entströmen, der Kapitalist in der
Statik überhaupt nicht zu warten braucht. Daß dieser Schluß
falsch ist, ist leicht zu beweisen. Wenn jemand auf zwei Jahre
100 Mk. ausleiht und im nächsten Jahre dasselbe tut, so ist
seine Wirtschaft nach dem Ablaufe von zwei Jahren wieder
stationär. Wenn zwei Jahre verflossen sind, erhält er die zuerst
ausgeliehenen 100 Mk, plus Zinsen zurück, die er aufs neue für
dieselbe Zeit ausleiht. Die 100 Mk., die er am Ende des nächsten
Jahres erhält, haben mit den zuletzt ausgeliehenen 100 Mk.
nichts zu tun, sondern ‚stammen vielmehr aus dem Kreditge-
schäft, das er vor zwei Jahren vorgenommen hat. Unser Kapita-
list muß also immer zwei Jahre warten, Es ist also ganz gleich,
ob man spart oder nicht, ob man Sich in der Dynamik oder
in der Statik befindet, immer muß man zwei Jahre warten,