Full text: Bolschewismus, Fascismus und Demokratie

Wirken ermöglichen, ohne viel Zeit und Geld zu verschwenden. Keine noch 
2 so wichtige Gesellschaft hat aber die Wichtigkeit und die Größe des Staates. 
nn Und dennoch können in den Staatsverwaltungen Unzulänglichkeit, Langsam- 
il keit und Unordnung den größten Schaden anrichten. 
Der allergrößte Schaden liegt aber in dem fortwährenden Wechsel. Die 
% Minister sehen sich meist in einem Zustand dauernder Verteidigung und 
7 müssen mehr für den eigenen Schutz als für den Staat sorgen. Zu oft ver- 
ts wandeln sich die Parlaments-Sitzungen in oratorische Wettstreite, wo Ge- 
m schick, Gewandtheit und selbst minderwertige Eigenschaften über wahren 
in Wert und wahre Fähigkeiten siegen. 
M Die Vereinigten Staaten Amerikas und nach ihrem Beispiel alle anderen 
ul amerikanischen Staaten haben das Präsidenten-System angenommen. Der 
Präsident wird auf vier Jahre gewählt und ist Inhaber der ausübenden Gewalt. 
te Die Minister sind eigentlich nur seine Sekretäre und können weder dem 
> Kongreß, d.h. der Kammer der Abgeordneten, noch dem Senat angehören, 
:o Sie werden vom Präsidenten fast immer nach dem alleinigen Kriterium der 
9 Fähigkeit oder auf persönliches Vertrauen hin erwählt. Die zwei Kammern 
7 vollziehen also ihr legislatives Werk, ohne sich um Ministerkrisen zu sorgen; 
x und die Minister stehen an der Spitze von Verwaltungen und wirken, ohne sich 
0 um das Parlament zu bekümmern. Die ausgedehnte Macht des Präsidenten 
= ist von Verfassung und Herkommen begrenzt, vor allem in Bezug auf äußere 
N Politik, wo die Staatskontrolle sehr wirksam ist. Eine wirkliche Geheim- 
% diplomatie ist in den Vereinigten Staaten Amerikas fast unmöglich, da der 
16 Senat dort das Recht hat, jede Maßnahme zu erfahren, die irgendwie den 
3 Staat verpflichten könnte; selbst die Ernennungen der Gesandten, der Lega- 
® tionsminister und der Generalkonsuln bedürfen der Zustimmung des Senats. 
Zweifellos bringt auch das Präsidenten-System mancherlei Schwierigkeiten 
mit sich, aber es verbürgt für eine verhältnismäßig lange Zeit — vier Jahre — 
1 wenigstens die Beständigkeit der Regierung und ihres Wirkens. 
5 Das Vorhandensein großer traditioneller, konservativer und liberaler Par- 
teien oder — wie es heute ist — konservativer und Arbeiterparteien verleiht 
We der Regierung Großbritanniens eine wirkliche Beständigkeit und seinen Mini- 
Se stern eine verhältnismäßige Unabhängigkeit. Man hat aber in keinem liberalen 
h6 Kontinentalstaat Europas eine Verfassung gefunden, die zugleich dem Parla- 
e ment eine ernsthafte Kontrolle und der vollziehenden Gewalt größere Wirk- 
a samkeit, mehr praktische Erfahrung und rascheres Handeln verbürgt. 
RE Die Parlamente bedeuten mit all ihren Nachteilen eine dauernde Notwen- 
Se digkeit. Ohne ein System der Volksvertretung ist keine Regierung denkbar, 
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