Wirken ermöglichen, ohne viel Zeit und Geld zu verschwenden. Keine noch
2 so wichtige Gesellschaft hat aber die Wichtigkeit und die Größe des Staates.
nn Und dennoch können in den Staatsverwaltungen Unzulänglichkeit, Langsamil
keit und Unordnung den größten Schaden anrichten.
Der allergrößte Schaden liegt aber in dem fortwährenden Wechsel. Die
% Minister sehen sich meist in einem Zustand dauernder Verteidigung und
7 müssen mehr für den eigenen Schutz als für den Staat sorgen. Zu oft verts
wandeln sich die Parlaments-Sitzungen in oratorische Wettstreite, wo Gem
schick, Gewandtheit und selbst minderwertige Eigenschaften über wahren
in Wert und wahre Fähigkeiten siegen.
M Die Vereinigten Staaten Amerikas und nach ihrem Beispiel alle anderen
ul amerikanischen Staaten haben das Präsidenten-System angenommen. Der
Präsident wird auf vier Jahre gewählt und ist Inhaber der ausübenden Gewalt.
te Die Minister sind eigentlich nur seine Sekretäre und können weder dem
> Kongreß, d.h. der Kammer der Abgeordneten, noch dem Senat angehören,
:o Sie werden vom Präsidenten fast immer nach dem alleinigen Kriterium der
9 Fähigkeit oder auf persönliches Vertrauen hin erwählt. Die zwei Kammern
7 vollziehen also ihr legislatives Werk, ohne sich um Ministerkrisen zu sorgen;
x und die Minister stehen an der Spitze von Verwaltungen und wirken, ohne sich
0 um das Parlament zu bekümmern. Die ausgedehnte Macht des Präsidenten
= ist von Verfassung und Herkommen begrenzt, vor allem in Bezug auf äußere
N Politik, wo die Staatskontrolle sehr wirksam ist. Eine wirkliche Geheim-%
diplomatie ist in den Vereinigten Staaten Amerikas fast unmöglich, da der
16 Senat dort das Recht hat, jede Maßnahme zu erfahren, die irgendwie den
3 Staat verpflichten könnte; selbst die Ernennungen der Gesandten, der Lega-®
tionsminister und der Generalkonsuln bedürfen der Zustimmung des Senats.
Zweifellos bringt auch das Präsidenten-System mancherlei Schwierigkeiten
mit sich, aber es verbürgt für eine verhältnismäßig lange Zeit — vier Jahre —
1 wenigstens die Beständigkeit der Regierung und ihres Wirkens.
5 Das Vorhandensein großer traditioneller, konservativer und liberaler Parteien
oder — wie es heute ist — konservativer und Arbeiterparteien verleiht
We der Regierung Großbritanniens eine wirkliche Beständigkeit und seinen Mini-Se
stern eine verhältnismäßige Unabhängigkeit. Man hat aber in keinem liberalen
h6 Kontinentalstaat Europas eine Verfassung gefunden, die zugleich dem Parlae
ment eine ernsthafte Kontrolle und der vollziehenden Gewalt größere Wirka
samkeit, mehr praktische Erfahrung und rascheres Handeln verbürgt.
RE Die Parlamente bedeuten mit all ihren Nachteilen eine dauernde Notwen-Se
digkeit. Ohne ein System der Volksvertretung ist keine Regierung denkbar,
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