Full text: Bolschewismus, Fascismus und Demokratie

SCHLUSSBEMERKUNGEN 
Die Ziffern verweisen auf die Kapitel, zu denen diese ergänzenden Anmerkungen gehören, 
l. 
Die Freiheit ist seit zwei Jahrhunderten das Thema so vieler Diskussionen 
gewesen, und die damit verbundenen Probleme haben so große Meinungs- 
verschiedenheiten verursacht, daß die Bibliographie fast die ganze politische 
Literatur umfaßt. Eine vorzügliche bibliographische Zusammenfassung ist 
in dem Buch von Guido de Ruggiero: Storia del liberalismo europeo. Bari 
1925, enthalten. 
Hl. 
In meinen vier Büchern: Das friedliche Europa (1922), Der Niedergang 
Europas (1923), Die Tragödie Europas (1924), Der Frieden (1925) sprach 
ich ausführlich über die Irrtümer der Friedensverträge und über die Ver- 
antwortung für den Krieg. Jene Bücher, die mehr als siebzig Übersetzungen 
in Europa, Amerika und Asien erfuhren, haben das einzige Verdienst gehabt, 
die Vorurteile zu zerstören, die am meisten dem Frieden geschadet haben. 
Unbeschadet der Verantwortlichkeit der einzelnen Länder für den Krieg 
fällt die allergrößte Verantwortung auf die Allianzverträge, auf die Geheim- 
diplomatie und auf die Handlungen einer kleinen Gruppe von Menschen, 
Der Krieg war unvermeidlich, erstens infolge des Allianzsystems, zweitens. 
weil die drei großen kontinentalen Kaiserreiche in getrennten Lagern standen, 
drittens weil Rußland nach dem unglücklichen Krieg gegen Japan Krieg 
führen mußte, um die innere Zersetzung aufzuhalten. Aber die übereilte 
Herbeiführung des Krieges war das Werk weniger Männer. 
Der Gedanke ist unfaßlich, daß die auswärtige Politik in allen euro-. 
päischen Staaten immer von wenigen Menschen gemacht worden ist und 
nicht nur jedem Urteil der öffentlichen Meinung, sondern fast immer auch 
den Parlamenten und selbst den Kabinetten vorenthalten wurde. 
In Italien blieben die Allianz- Verträge, einschließlich desjenigen der Triple- 
Entente, den Ministern unbekannt. Die Durchführung des lybischen Krieges. 
1911 und die Beteiligung am europäischen Krieg 1915 erfolgten ohne ir- 
gend einen Beschluß des Ministerrates. Ich selbst habe dies aufs genaueste- 
feststellen können. Als in Italien das Parlament im Mai 1915 einberufen 
wurde, um über die Bewilligung der Mittel für den europäischen Krieg zu 
beschließen, war die Beteiligung Italiens schon einen Monat vorher durch 
den Londoner Vertrag entschieden gewesen und die Abkommen waren schon 
zwei Monate früher getroffen. Der Londoner Vertrag blieb aber den Mini- 
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