der alliierten Länder zu tun. Wir kamen keinen Schritt weiter,
wenn wir nur mit unserem Elend an die Reparationskommission
appellierten, Wir mußten ihr etwas Ordentliches bieten, und zwar
außer Sachleistungen auch noch Geld,
Einem Moratorium, unter dem Deutschland wenig oder gar
nichts zu leisten haben würde, stellte sich vor allem Frankreich
feindselig gegenüber, Es hatte von allen alliierten Mächten die
größten Verluste erlitten. Auf seinem Boden waren die Ent-
scheidungskämpfe des Weltkrieges geführt worden. Die durch
den Krieg im Lande angerichteten Verwüstungen waren entsetz-
lich. Frankreich hatte alsbald nach dem Waffenstillstand seinen
Wiederaufbau selber energisch in die Hand genommen und inner-
halb weniger Jahre die äußerlich sichtbaren Schäden, abgesehen
von Fabriken und Wohnhäusern, aus eigenen Mitteln beinahe ganz
beseitigt, die zerstörten Eisenbahnen und Straßen wieder her-
gestellt und wesentlich verbessert und die verwüsteten Felder
fast vollständig wieder unter den Pflug genommen, Diese ge-
waltigen Ausgaben von vielen Milliarden Goldfrancs waren durch
innere Anleihen, in der Hauptsache durch die kurzfristigen Bonds
de la Defense Nationale, finanziert worden, also ohne Inanspruch-
nahme der Notenpresse, Wenn es aber nicht gelang, bald größere
Beträge als Reparation von Deutschland zu erhalten, so blieb
Frankreich für lange Jahre unter einer drückenden Schuldenlast
und ohne geordneten Staatshaushalt. Frankreich hatte daher ein
Lebensinteresse an schnellem Beginn der Reparationszahlungen,
von denen ihm allein 52 Prozent zufielen, Wir haben schon ge-
sehen, daß infolge der gewaltigen Besatzungskosten von allen
Leistungen Deutschlands vor dem 1. Mai 1921 nichts für die
Reparation übrig blieb. Aber auch von der Milliarde Goldmark,
die Deutschland im Sommer 1921 gezahlt hatte und die bei der
Konferenz der alliierten Finanzminister in Paris vom 13, August
1921 aufgeteilt wurde, erhielt Frankreich nichts, Die eine Hälfte
davon ging an England für ungedeckte Besatzungkosten vor dem
1, Mai 1921, die andere Hälfte an Belgien, Die belgische Priorität,
von der wir schon sprachen, war ursprünglich auf zwei Milliarden
Goldmark festgesetzt. Aus den deutschen Zahlungen bis Ende
142