DEUTSCHLAND — Braunschweig (Finanzen, Militär).
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unter befinden sich jedoch ungefähr 3700,000 Thlr. Eisenbahnschulden, so dass
die eigentliche Landesschuld 3 Mill, beträgt. Da das Capital der Eisenbahn
schulden sich mit mehr als lOProc. verzinst (1854 sogar mit 11% %), so wird
dadurch der Zinsbedarf der ganzen Landesschuld, wovon höchstens 4 Proc. zu
zahlen sind, gedeckt. — Auf den Kammergütern haften^2700,000 Thlr.
Schulden. Jedoch besitzt die Kammer an baaren Capitalien 3’<00,000 Thlr., so
dass der Stand der Activcapitalien um eine Million die Passiven übersteigt, und
überdies der in circa 45 Domänen, 250,000 Morgen Waldungen, und Berg-,
Hütten-, Kühlen- und Salzwerken bestehende Grundbesitz ganz schuldenfrei
erscheint. “
Wir fügen eine von anderer Seite erhaltene Notiz bei :
„Das Anlagccapital der 4 Braunschweigischen Staatsbahnen betrug — für
15,89 Meil. 4’677,794 Tlilr. Die Einnahmen waren 1854: 983,850 Thlr. (der
Güterverkehr ertrug mehr als das Doppelte des Personenverkehrs), die Ausgaben
494,172 Thlr., der Reinertrag also 409,678, d. h. 11,52 0/% — ein Ergebniss,
das bei Staatsbahnen einzig in seiner Art ist.“
Schon nach der Zeit des siebenjährigen Krieges war Braunschweig
stark verschuldet, und zwar nicht blos in Folge dieses Krieges, der
gegen 7 Millionen kostete, sondern auch in Folge der Verschwendun
gen des damaligen Herzogs Karl. Die Schulden wurden grösstentheils
dadurch getilgt, dass der nächste Herzog, Karl Willielni Ferdinand,
im Einvernehmen mit den Landständen ( ! ), die zu diesem Behufe
eigens vermittelst freier Werbungen zusammengebrachten Truppen an
fremde Staaten verkaufte! So waren 1790 die Schulden abgetragen.
Die Fremdherrschaft, dann der Kampf gegen dieselbe, erheischten
grosse Opfer. 1815 berechnete man die Gesammtschuld auf 6’546,805
Thl, 1830 auf G’077,69G,' 1840 auf 7’400,212 (wovon 3’305,122
Kammerschuld). — Der Wiederaufbau des 1830 vom Volke nieder-
gebrannten Schlosses veranlasste zwei Anlehen, zus. von 550,000,
die Eisenbahnbauten 5 von 3’G78,000 Thlr., die militärischen Rüstun
gen schon 1848 eines von 440,000 Thlr.
Milifür* Nach der Convention mit Preussen vom 1. Dec. 1849
sollten die braunschweigischen Truppen völlig mit den preussischen
verschmolzen werden, welche Convention nach dem Willen des Bun
destags später aufgehoben werden musste ; doch wurde das preussische
Militärsystem beibehalten. Man hat :
1 Infant.-Reg. v. 2 Bataill. Linie u. 2 Bat. Landwehr ; 1 Leibbataill. -—
1 Husarenreg. von 2 Schwadr. Linie u. 2 Schwadr. Landwehr. — Artill. mit
12 Geschützen. Zus. Friedensfuss 2720, Kriegsfuss 5359 M.,
Im siebenjährigen Kriege hatte Braunschweig 12,000 M. gestellt
(Folge: 7 Mill. Schulden). Während des westfälischen Königthums
kämpften viele Braunschweiger gegen Napoleon, 1809 in Oesterreich,
.später in Spanien. 1813—15 bot der Herzog gegen 10,000 M. auf.
Maasic. 100 Fuss = 90,84 preuss. od. rhein. Fuss_ od. 28,51 Met. —
Der Morgen = 24,96 Aren; 99 braunschweig. Feldmorgen sind = 97 preuss. —-
100 Himpten = 31,15 Hectol. od. 66,38 preuss. Scheffel. — Das Pfund ist
dem alten preuss. gleich. Der Ctr. = 114 Pf.