thumbs : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft.des deutschen Mittelalters. 155
Diese Bevorzugung des einen Gesichtspunktes wird verständlich,
 wenn man berücksichtigt, daß Schmoller seine Entwicklungstheorie
 nur als Einleitung eines Aufsatzes über „das Merkantilsystem
 in seiner historischen Bedeutung“) vorträgt. Er sagt
geradezu (S. 2), er mache von den andern Entwicklungstheorien
keinen Gebrauch, weil sie ,für die Charakterisierung des Merkantilsystems
 wenig Anhalt bieten.“
Auf Schmollers Ausführungen werden wir später zurückkommen.
 Hier sei bloß bemerkt, daß er sich eingehender lediglich
 über das Verhältnis der späteren territorialen, bzw. staatlichen
 Politik zur städtischen des Mittelalters ausläßt, offenbar
vor allem das gute Recht der ersteren darlegen will. Man wird
seinen Aufsatz als eine weitere Ausführung der Gedanken, wie
sie schon Perthes und andere?) ausgesprochen hatten, bezeichnen
können.
schon Droysen um die zutreffende Beurteilung des Verhältnisses
von städtischer und territorialer Politik zukommt (vgl. dazu meine
Bemerkungen in der H. Z. 75, 401 Anm. 2 u. 404 Anm. 2). Das Verdienst
 von Gierke möchte ich auch in dieser Hinsicht höher anschlagen,
als Schmoller a. a. O. S. 522 es tut. – Die Arbeiten anderer Autoren,
die den Einfluß von Schmollers Aufsatß über das Merkantilsystem
zeigen, berücksichtigen ebenfalls in erster Linie die Wirtschaftspolitik
(m. E. etwas zu einseitig). S. z. B. Priebatsch, Der märkische Handel
am Ausgange des Mittelalters, Schriften des Vereins für die Geschichte
Berlins, Heft 36 (1899). Vgl. ferner H. Z. 83, 461. –~ Zu Schmoller
S. 10 vgl. meine landständ. Verf. in Jülich und Berg 2. 64 Anm. 245
und S. 67 Anm. 257.
1) Eine Vorarbeit hierzu lag von Br. Hildebrand vor: Die Anfänge
 der merkantilistischen Staatspraxis in Deutschland, Jahrbücher
f. Nat., Bd. 2, wie Hildebrand ja überhaupt ein Pfadfinder für Schmoller
 gewesen ist (s. oben S. 149, Anm. 1).
?) Es ist daher auch ganz richtig, wenn Adolf Wagner, Preuß.
Jahrbücher 75, 548, behauptet, daß er selbst lange vor Schmoller fast
genau dieselben Ansichten vorgetragen habe. Er erinnert z. B. an
seinen Aufsatß „Zölle“ in Bluntschli- Braters Staatswörterbuch 11,
342 ff. Vgl. auch Wagner, Preuß. Jahrb. a. a. O. S. 553 und Grundlegung
 der politischen Ökonomie, 3. Aufl. I, 1, 359 f. Auf Gierkes
Stellung habe ich schon hingewiesen. Schmollers Verdienstliegt dann in
der Exemplifizierung auf Preußen und in der eingehenden Würdigung
der preußischen Verhältnisse. Übrigens knüpfen, wie Wagner hervor-
            
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