Full text: Der Weg der Reparation

Sobald ich von diesen Absichten erfuhr, ging ich zu Owen 
Young. Ich erklärte ihm, daß die Festsetzung einer Annuität von 
drei Milliarden Goldmark verderblich wirken müsse, Das sei 
gerade die Zahl, die uns von den ersten Verhandlungen an stets 
verfolgt habe. Sie bilde den Kern des Londoner Ultimatums vom 
5, Mai 1921 und trage die Schuld am Zusammenbruch unserer 
Währung, Wenn die Sachverständigen zu solchen Ziffern kämen, 
dann würden alle Hoffnungen, die man in Deutschland auf ihren 
Spruch gesetzt habe, mit einem Schlage vernichtet sein, Das 
jetzt erwachte Vertrauen würde allgemeiner Verzweiflung Platz 
machen, Die deutsche Währung würde von neuem zugrunde 
gehen, Auch die innerpolitische Lage würde unhaltbar werden, 
Im Innern seien die Amerikaner selber überzeugt, daß derart 
hohe Reparationszahlungen nicht durchführbar seien. Wollten sie 
aus politischen Rücksichten den französischen Forderungen ent- 
gegenkommen, so sollten sie lieber von dem Besserungsschein, als 
dem kleineren Uebel, Gebrauch machen. Es sei immer noch erträg- 
licher, bei einer wesentlichen Besserung in den Finanzen und der 
Wirtschaft Deutschlands mehr zahlen zu müssen, als von vorn- 
herein mit einer festen Belastung zu rechnen, die nach der Ueber- 
zeugung aller Kundigen die Zahlungskraft Deutschlands bei 
weitem übersteige, 
Diese Aussprache fand am 20, März 1924 statt, Bald darauf 
einigten sich die Sachverständigen auf. eine normale Jahres- 
leistung Deutschlands von 2% Milliarden Goldmark, Davon sollten 
fließen: 
1250 Millionen aus Zöllen und Verbrauchsabgaben, 
660 % aus der Eisenbahn (5 Prozent Zinsen und 
1 Prozent Tilgung auf elf Milliarden Obli- 
gationen), 
290 n aus der Verkehrssteuer 
300 7 aus der Industrie (5 Prozent Zinsen und 
1 Prozent Tilgung auf fünf Milliarden Obli- 
gationen) 
2500 Millionen, 
Lit 291
	        
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