fullscreen: Die Entwicklung der Weißgerberei

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Die bisherigen Darlegungen über das Schaffell haben schon ge 
nugsam gezeigt, daß dieses Hautmaterial auf Grund der modernen 
Technik und des modernen Bedarfs in eine andere Stelle des Ver 
brauchs und in ein ganz anderes Niveau des Preises eingerückt ist. 
Wohl am meisten alteriert wurde durch diese Verwendungs- und Wert 
verschiebung die gewöhnliche Weißgerberei. Die Weißgerber des Mittel 
alters kannten als ihr Hauptrohmaterial das Schaffell v ), und das „ge 
wöhnliche weißgare Schafleder" hatte als ein Hauptabsatzgebiet die 
Schuhmacherei. Während nun das Rohmaterial, wie schon gezeigt, in 
der Chrom- und vegetabilischen Gerbung, dann aber auch in der Glace 
gerberei als Ersatz der mangelnden Ziegenfelle Verbraucher mit un 
geheuer gestiegener Nachfrage fand, wurde das weißgare Lederfutter 
nach und nach durch Stoffutter, in geringerem Umfange durch andere 
Lederarten, wie z. B. die sog. Glacefutterfelle, d. h. die in den Glace 
fabriken ausfallenden stärkeren Ausfchußleder, dann durch braune Leder 
und andere vollkommen verdrängt, und wenn auch wieder neue Ab 
nehmer für weißgare Leder aufgetreten sind * 2 * ), so kann man doch sagen, 
daß durch den Abfluß des Rohmaterials nach anderen Richtungen als 
nach der Weißgerberei einerseits, und durch die Deckung des hier ein 
schlägigen Bedarfs aus anderen Richtungen als aus der Weißgerberei 
andererseits diese Gerbemethode eine beträchtliche Einbuße erlitten hat. 
Anders als für die gewöhnliche Weißgerberei gestaltet sich das Bild 
für die Glacegerberei. Um hier den Anfang zu machen mit der Kid- 
gerberei für Beschuhungszwecke, so ist hier zu sagen, daß zeitenweise 
die Kalbshaut und in großem Umfange das Ziegenfell durch Schaf 
leder ersetzt werden 8 ), und das immer mehr, je mehr es gelingt, die 
Alaunglacegerbung für Farbenchevreaux durch die Chromglacegerbung 
zu ersetzen^). 
Die steigende Verwendung von Schafglaceleder in der Handschuh 
industrie ist ein in der Rohmaterialverwendung bemerkbarer Ausdruck 
des Konkurrenzkampfes zwischen dem deutschen und dem französischen 
Handschuh 5 ). Wenn auch früher gegen den französischen ziegenledernen 
Handschuh neben wenig schafledernen 6 ) hauptsächlich lammlederue 7 ) ein 
setzten, so ist neuerdings das zuerst in den 70 er, 80 er Jahren des 
vorigen Jahrhunderts in England 8 ), dann erst in den letzten Jahren bei 
') Siehe z. B. Königsberg 1737-, Schauplatz 1767, Bd. VI, S- 101. 
2 ) Schuh und Leder 1902, Nr. 33, S. 23. 
3) Schmidt und Wagner 1905, S. 1032 ff. 4 ) Schmidt und Wagner 1905, S.475. 
°) Bgl. hierzu Berliner Berichte 1898, Nr. 41, 2. Beilage. 
•) Brüggemann 1875, S. 1. 
7 ) Ledermarkt 1893, S. 1235; Weiskirchner 1896, S. 485. 
6 ) Gerber 1833, S. 114
	        
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