Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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Die  Eigentümlichkeit  des  Schaffelles,  längs  der  Rückenlinie  und  besonders
am  Hälfe  eine  Speckeinlagerung  zu  besitzen,  macht  dieses  Hautmaterial
für  den  Fall  größerer  Fettanfammlungen  an  den  genannten  Stellen
für  die  Weißgerberei  ungeeignet.  Diese  sog.  „Speckhälfe"  pflegten  dann
die  Weißgerber  des  Mittelalters  und  der  folgenden  Zeit  bis  fast  gegen
Ende  des  19.  Jahrhunderts  an  die  Rotgerber  abzugeben  *  *),  wenn  sie  nicht
selbst  diese  Speckhälse  unter  Übertretung  der  Handwerksartikel  2 )  in  eigene
Farben  einlegten.  Dazu  kommt,  daß  die  unter  dem  langen  Wollvlies
wachsende  Haut  oft  nur  geringe  Dicke  und  Festigkeit  besitzt 3 ),  zwei
Umstände,  welche  sehr  niedrige  Preise  des  Schaffelles  infolge  geringer
Wertschätzung  dieses  Hautmaterials  zur  Folge  hatten;  die  auf  dem  Fell
befindliche  Wolle  war  fast  immer  wertvoller  als  das  Hautmaterial
selbst  und  die  Stimmen  selbst  späterer  Technologen,  so  Prechtl  1838*)
und  Lange  1839 B ),  weisen  dem  Schafleder  nur  minderwertige  Verwendungsmöglichkeiten ­
  zu  oder  weisen  Anfänger  und  unbemittelte
Gerber  ans  dieses  Rohmaterial  hin,  lauter  Punkte,  welche  bei  der  Beurteilung ­
  der  materiellen  Lage  der  Weißgerberei  von  ehedem  nicht  zu
übersehen  sind.

Nachdem  aber  das  Ende  des  19.  Jahrhunderts  neben  neuzMichen  Gerbeund
  Zurichtemethoden  auch  noch  die  Lederensiettuiig  für
bracht  hat.  ist  es  gelungen,  dem  Schasleder  welches  ehedem  zünden
untergeordneten  Erzeugnissen  der  Lederindustrie  geza)  '
bedeutend  höheren  Rang  einzuräumen  und  eine  essere  '  ^
abzugewinnen,  was  eine  bedeutende  Preissteigerung  er^  h
sonders  in  jenen  Sorten  bewirkte,  welche  sich  für  ss
eignen  6 ).  Braune  Schasleder  für  Feinlederindustrie  un  )
Schaffelle  für  Oberleder  spielen  heute  eine  ungeheure  Rolle
allen  Rohledergattungen,  welche  heute  in  der  Gerberei  verar  ei  -  '
erfordern  Schaffelle  mit  am  meisten  Kenntnisse  der  Ro  )ware
verschiedenen  Marken').  Besonders  die  chromgaren  Lamm-  unv  My  1
leder  haben  sich  zu  einem  ganz  bedeutenden  Artikel  der  Schuhsa  n
emporgeschwungen  und  zwar  als  Imitation  teils  der  Zwgente  er,
der  Kalbsleder,  weil  durch  die  Chromgerbung  der  größte  Mange
Schasleders,  nämlich  seine  geringe  Haltbarkeit  als  Schuhleder,  bedeu  en
verbessert  wird.  Man  kann  dann  sogar  Fellsorlen  benützen,  we  H
sich  für  andere  Zwecke  schlecht  eignen,  da  sich  daraus,  wenn  auch  nicy
Primaware,  so  doch  immerhin  verkäufliches  Leder  herstellen  läßt  ).

si  Nürnberg  1535.  2 )  Siehe  z.  B.  Würzburg,  V,  S.  2028  anno  1743.
»)  Prechtl  1838,  Bd.  IX,  S.  236.  *)  Ebenda.  6 )  Lange  1839,  S.  37.
*)  Ledermarkt  1903,  Nr.  59  S.  17.
’)  Allgemeine  Gerberzeitung  1905,  Nr.  10,  S.  1.

8 )  Gerber  1902,  S.  291.
            
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