| Die Werttheorie (Fortsetzung)
Mit der Aufdeckung des Widerspruchs und der logischen Unhalt-
barkeit dieses Begriffs wird auch der Grundfehler der ganzen
Geldtheorie offensichtlich. Sehr gut hat diesen Fehler Gustav
Eckstein formuliert: „Der objektive Tauschwert des Geldes resul-
tiert also aus seinem subjektiven Gebrauchswert, dieser besteht
in seinem subjektiven Tauschwert, welcher wieder abhängig ist
von seinem objektiven Tauschwert. Das Schlußergebnis hat also
eine ähnliche Stringenz und einen ähnlichen Wert, wie der be-
kannte Lehrsatz, daß die Armut von der pauvrete komme . . .38.“
Mit anderen Worten: Der objektive Tauschwert des Geldes wird
bestimmt durch den objektiven Wert des Geldes.
Die Theorie des Geldes und der Geldzirkulation kann in ge-
wissem Sinne als Prüfstein für jede Werttheorie dienen, da ge-
rade im Gelde die Objektivierung der komplizierten menschlichen
Beziehungen am klarsten sichtbar wird. Eben deshalb ist ‚das
Rätsel des Goldfetisches‘“, der „durch seinen Metallglanz blen-
det“, eines. der schwierigsten Rätsel für die politische Oekonomie.
Ein klassisches Beispiel für die Analyse des Goldes gab Marx (im
„Kapital“ und in „Zur Kritik“) und die der Analyse des Geldes
gewidmeten Seiten seiner Arbeit stellen das glänzendste dar, was
je auf diesem Gebiete geleistet wurde. Im Gegensatz dazu ersieht
man an der „Theorie‘‘ des Geldes der österreichischen Schule klar
die völlige theoretische Unfruchtbarkeit der ganzen Konstruktion
und ihren ganzen theoretischen Bankrott®®.
38 Gust. Eckstein: „Die vierfache Wurzel des Satzes vom unzureichenden
Grunde der Grenznutzentheorie. Eine Robinsonade.“ Neue Zeit, 22, Bd. II,
S. 812. In der russischen Literatur wurde ebenfalls darauf hingewiesen.
(Vgl. z. B. A. Manuilow: „Der Wertbegriff nach der Lehre der Oekonomisten
der klassischen Schule‘, S. 26.)
% Einer der neuesten Vertreter der österreichischen Schule, ein Spezialist
auf dem Gebiete der Geldtheorie, Ludwig v. Mises, gibt in seinem Buche:
„Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel‘“ zu, daß die österreichische Geld-
theorie unbefriedigend sei. Er sagt darüber: „Eine Betrachtung des subjektiven
Geldwertes ist ohne Eingehen auf seinen objektiven Tauschwert unmöglich; im
Gegensatz zu den Waren ist beim Gelde das Vorhandensein eines objektiven
Tauschwertes, einer Kaufkraft, unerläßliche Voraussetzung des Gebrauchs.
Der subjektive Geldwert führt immer auf den subjektiven Wert der für das
Geld im Austausch erhältlichen anderen wirtschaftlichen Güter zurück; er ist
ein abgeleiteter Begriff. Wer die Bedeutung, die eine bestimmte Summe Gel-
des mit Rücksicht darauf, daß er eine Bedürfnisbefriedigung von ihr abhängig
weiß, abschätzen will, kann dies schlechterdings nicht anders tun als unter
Zuhilfenahme eines objektiven Tauschwertes des Geldes. Jeder Schätzung des
Geldes liegt so eine bestimmte Ansicht von seiner Kaufkraft zugrunde (zitiert
nach einer Besnrechung von Hilferding in der „Neuen Zeit“, 30. Jahrg., Bd. II,
S. 1025 ff.). Mises versucht diesen circulus vitiosus historisch zu über-
winden, analog dem, wie es Böhm-Bawerk im Abschnitt über den Substitutions-
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