Full text: Die politische Ökonomie des Rentners

Der Wert der komplementären Güter (Zurechnungstheorie) 105 
dem Markte zu haben. Es ist für unseren Kapitalisten wieder- 
um keinesfalls gleichgültig, wieviel er für diese oder jene 
Maschine zu zahlen oder wie er den Arbeiter zu entlohnen 
hat usw. Mit anderen Worten: Ihn interessiert der Markt- 
preis/der Produktionsmittel; davon hängt es ab, 
ob er neue Maschinen anschafft oder neue Arbeitskräfte ein- 
stellt, ob er die Produktion erweitert oder einschränkt. Dazu 
kommt endlich noch eine andere Kategorie von objektiv gege- 
benen wirtschaftlichen Größen, nämlich die Zinshöhe. Wie 
schätzt z. B. der Bauer sein Grundstück ein? Nach Böhm-Bawerk 
vollzieht sich diese Schätzung so: „Vom Gesamtertrag zieht man 
nämlich in der Praxis zunächst die ‚Kosten‘ ab. Das sind ... 
eben die Aufwände für die ersetzlichen Produktions- 
mittel‘ von gegebenem Substitutionswerft“.* 
Den Rest „schreibt‘‘ der Bauer von seinem Grundstück zu°. Das 
ist es, was man Grundrente nennt, deren Kapitalisation den Preis 
des Grund und Bodens ergibt. Daß gerade auf diesem Wege, 
d. h. durch Kapitalisierung der Grundrente, jede Parzelle abge- 
schätzt wird, erübrigt sich zu beweisen: Jeder beliebige praktische 
Fall bestätigt diesen Gedanken. Eine derartige Schätzung setzt 
jedoch die Zinshöhe als gegeben voraus, von der nun das 
Ergebnis der Kapitalisierung völlig abhängt. 
Wir sehen somit, daß Böhm-Bawerk sogar die fetischistische 
Psychologie des „Produzenten“ falsch beschreibt, da er die „ob- 
jektiven‘‘ Momente ausschließt, die sich in ihr stets finden, so- 
bald wir Warenproduktion und noch mehr — kapitalistische 
Warenproduktion voraussetzen. 
Die Theorie der „ökonomischen Zurechnung‘‘ bildet bei den 
Vertretern der österreichischen Schule den unmittelbaren Ueber- 
gang zu der Verteilungstheorie. Deshalb verlassen wir hier eine 
Reihe von Fragen, die von Böhm-Bawerk berührt werden, um 
darauf erst bei der Analyse seiner Zinstheorie zurückzukom- 
men®, 
51 Böhm-Bawerk: „Grundzüge usw.“, S. 60. 
52 ]b. 3:60; 
° Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Wieser und Böhm-Ba- 
werk in der Zurechnungsfrage beruhen in der Hauptsache auf der ver- 
schiedenen Stellungnahme in der Frage des Gesamtwertes der Güter, 
wovon oben bereits die Rede war. Siehe darüber Böhm-Bawerk: „Kapital und 
Kapitalzins‘“, Bd. II, Teil II, Exkurs VII. Eine analoge Kritik Wiesers im Zu- 
sammenhange mit einer Kritik des Begriffes „Gesamtwert‘“ gibt auch 
J. Schumpeter in den bereits zitierten „Bemerkungen über das Zurech- 
Da em (Zeitschrift für Volkswirtschaft, Sozialpolitik und Verwaltung,
	        
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