Full text: Die politische Ökonomie des Rentners

Die Werttheorie (Fortsetzung) 
5. DER WERT DER PRODUKTIVGÜTER. DIE PRODUKTIONSKOSTEN 
Die klassische Schule der politischen Oekonomie führte, 
ebenso wie Marx, bei der Analyse der Bestandteile des Wertes 
der Verbrauchsgüter diesen Wert in der Hauptsache auf den 
Wert der aufgewendeten Produktionsmittel zurück; welche kon- 
kreten Formen diese Analyse auch annahm, der ihr zugrunde 
liegende allgemeine Gedanke blieb derselbe, daß nämlich der 
Wert der Produktionsmittel den bestimmenden Wertfaktor für 
die frei reproduzierbaren Güter bildet. Umgekehrt 
nach der Lehre der österreichischen Theoretiker: ‚„...ihr Wert 
ist gleich dem ‚erwarteten Werte des erwarteten Ertrages‘ an 
Grenzgütern. Und darin nun liegt der wahre Grundgedanke des 
neueren Systems der Oekonomie im Gegensatz zu dem der Klas- 
siker. Er liegt darin, daß wir, vom Werte der 
Genußgüter ausgehend, die Theorie der Preis- 
bildung darauf basieren und uns den Wertder 
Produktivgüter, den wir bei diesem Vorgehen 
ja auch brauchen, dadurch verschaffen, daß 
wirihn aus dem der Genußgüter ableiten.“ 
Wir wollen diesen „Grundgedanken“ näher darstellen. Nach dem 
Beispiel Mengers, oder richtiger, Gossens, teilt Böhm-Bawerk alle 
Güter in Kategorien ein, je nachdem, ob sie näher oder ent- 
fernter vom Konsumtionsprozeß stehen. Und so haben wir: 
1. Genußgüter, 2. Produktivgüter, die mit gegebenen Ge- 
nußgütern unmittelbar in Berührung kommen, oder „Pro- 
duktivgüter erster Ordnung“; darauf folgen Produktions- 
mittel der Güter erster Ordnung oder „Produktivgüter zweiter 
Ordnung“ usw. Die letzten Güter heißen Güter der „höch- 
sten‘ oder der „entferntesten Ordnung‘. Wodurch wird nun der 
Wert dieser Güter der „höchsten Ordnung‘‘ bestimmt? Böhm- 
Bawerk stellt folgende Erwägung an: Jedes Gut, folglich auch ein 
beliebiges Gut der „höchsten Ordnung“, d. h. ein beliebiges Pro- 
duktionsmittel, kann einen Wert nur dann besitzen, wenn es 
direkt oder indirekt irgendein Bedürfnis befriedigt. Angenom- 
men, wir haben ein Genußgut A, das ein Ergebnis der Anwen- 
dung der Produktivgüter G,, G;, G1 darstellt (die Zahlen ,, 3, 4 be- 
deuten die Güterordnung, d. h. den Grad ihrer Entfernung vom 
54 J. Schumpeter: „Bemerkungen usw.“, S. 83. (Sperrdruck vom Verfasser.) 
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