Full text : Die politische Ökonomie des Rentners

Die Werttheorie (Fortsetzung)
5. Dersubjektive Wertder Warefürden Verkäufer.
 Hierfür gibt Böhm eine doppelte Formulierung: Die
erste besteht darin, daß .. . „der unmittelbare Grenznutzen und
weiter der subjektive Gebrauchswert, den ein Stück für sie hat,
gewöhnlich außerordentlich niedrig steht®.“
Diese Formulierung entspricht, wie oben eingehend bewiesen
wurde, nicht der Wirklichkeit, da es eine Wertschätzung der zum
Verkauf angesetzten Ware nach Nutzen gar nicht gibt, d. h., sie
ist mathematisch gleich Null. Andererseits ist es offensichtlich,
daß die Verkäufer ihre Ware schätzen und dabei durchaus nicht
etwa „außerordentlich niedrig‘. Und da tritt die zweite Formel
Böhm-Bawerks auf die Szene. „Die Höhe des Marktpreises““, —
sagt er an anderer Stelle — „den jeder Produzent für sein Produkt
 erlangen kann, ist maßgebend für die Höhe des subjektiven
(Tausch -) Wertes, den er auf dasselbe legt**.‘““ Doch ist diese
Formulierung theoretisch noch weniger stichhaltig, da schon der
Begriff des subjektiven Werts einen Widerspruch in sich selbst
birgt: Bald ist er Grundlage für die Ableitung der Preise, bald
aber setzt er die Preise als gegeben voraus.
6. Der subjektive Wert des Preisgutes für
die Verkäufer. ‚Hierüber‘“ — meint Böhm-Bawerk — „gilt
wieder im allgemeinen dasselbe, was wir oben über den Wert
der Preisgüter für die Käufer gesagt haben. Nun mag es bei den
Verkäufern noch häufiger als bei den Käufern vorkommen, daß
für den Wert, den das Preisgut „Geld“ für sie hat, nicht so sehr
ihre allgemeine Vermögenslage, als vielmehr ein spezieller Bedarf
 nach Bargeld maßgebend ist®.‘“ Demnach sind hier zwei
Momente auseinanderzuhalten: 1. Die Wertschätzung des Geldes
entsprechend der „allgemeinen Vermögenslage‘; diese Wertschätzung
 kommt ihrerseits unter der Wirkung von zwei Faktoren
 zustande: der Menge des Geldes, die dem Besitzer zur Verfügung
 steht, und den Warenpreisen; 2. von der Wertschätzung
 des Geldes entsprechend dem „speziellen Bedarf“, d. h.
der Marktkonjunktur, die wiederum nichts anderes ist als ein bestimmter
 Stand der Marktpreise. Und so sehen wir, daß
die besondere Natur des Geldes, als Tauschwert, es nicht erlaubt,
dieses Phänomen vom Gesichtspunkte des Nutzens zu erklären,
so daß die Böhmsche Theorie sich unvermeidlich im Zirkel bewegen
 muß.
56. 1b. S. 521.
54 1b. SS: 538.
85 Ib. S. 521.

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