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IV. KAPITEL
DIE PROFITTHEORIE
1. Die Bedeutung des Distributionsproblems. Die Fragestellung.
2. Der Kapitalbegriff. „Kapital‘‘ und „Profit‘“ im „sozialistischen Staat“.
3. Allgemeine Charakteristik des kapitalistischen Produktionsprozesses; die
Entstehung des Profits.
1. DIE BEDEUTUNG DES DISTRIBUTIONSPROBLEMS
DIE FRAGESTELLUNG
Wenn es jedem Einzelgebiet der politischen Oekonomie überhaupt
eigentümlich ist, sich in einer bestimmten Richtung zu entwickeln,
je nachdem, wer dieses Einzelgebiet bearbeitet, so trifft
dies ganz besonders zu für die Lehre von der Verteilung, im besonderen
aber für die Profittheorie. Dieses Problem berührt sich
ja sehr nahe mit der „Praxis‘ der kämpfenden Klassen; es berührt
am stärksten ihre Interessen, und so ist es leicht begreiflich,
daß sich gerade hier eine bald ziemlich grobe, bald sehr
feine, aber dennoch leicht zu enthüllende Apologie der modernen
Gesellschaftsordnung fest eingenistet hat. Von der logischen Seite
her kommt der Verteilungsfrage, die nach Ricardo zu den wichtigsten
Problemen der politischen Oekonomie gehört‘, zweifelsohne
eine eminente Bedeutung zu. Es ist unmöglich, die Gesetze
der gesellschaftlichen Entwicklung zu verstehen, ohne — wenn
es sich um die moderne Gesellschaft handelt — den Reproduktionsprozeß
des gesellschaftlichen Kapitals analysiert zu haben.
Einer der ersten Versuche schon, die Bewegung des Kapitals zu
begreifen — wir meinen die berühmte „Oekonomische Tabelle‘
von Quesnay — mußte dem Verteilungsplan einen bedeutenden
Platz einräumen. Doch wenn man auch von der Aufgabe absieht,
den Mechanismus der gesamten kapitalistischen Produktion
in ihrem ganzen Umfange und ihrem „vollen gesellschaftlichen
Maßstab‘‘ zu erfassen, so bietet auch noch die Frage von
der Verteilung an und für sich ein ungeheures theoretisches Interesse.
Welches sind die Gesetze, nach denen die Verteilung
* Siehe David Ricardo: „Principles of political economy and taxation“,
Vorwort.