130 Die Profittheorie
aber nur einen Terminus für all diese drei verschiedenen Arten
der „kapitalistischen Produktion“.
Eine glänzende Illustration für die von Böhm-Bawerk hineingetragene
Konfusion bietet der Abschnitt: „Der Zins im Sozialistenstaat‘.
Auch in diesem ‚„Staate‘ soll das Profitprinzip in
seiner vollen Kraft aufrechterhalten bleiben, das man jetzt doch
als Ergebnis der Ausbeutung ansieht. Diese „sozialistische Ausbeutung‘‘
erläutert Böhm wie folgt: „Angenommen — sagt er —
es gibt zwei Produktionszweige: das Bäckergewerbe und die
Waldkultur” Das Ergebnis eines Arbeitstages des Bäckers ist das
Produkt Brot, dessen Wert sich nach Böhm auf 2 Florin stellt
(nach Böhm bleiben im „Sozialistenstaate‘“ sogar die Florins).
Die Tagesarbeit des Waldarbeiters besteht darin, daß er 100 junge
Eichen anpflanzt, die ohne weiteres Zutun sich in hundert Jahren
in große Bäume umwandeln, so daß der Gesamtwert der Arbeit
des Waldarbeiters sich auf 1000 Florin stellen wird. Dieser Umstand,
nämlich der Zeitunterschied in der Produktion (die allgemeine
Wertschätzung der dazu gehörenden Erwägungen folgt
in der weiteren Darstellung) wird eben zur Grundlage für die
Profitentstehung gemacht. „Zahlt man aber — sagt Böhm-Bawerk
— auch den Aufforstungsarbeitern gerade so wie den
Bäckern nur 2 Florin täglich, dann begeht man ihnen gegenüber
dieselbe „Ausbeutung‘‘, die heute die kapitalistischen Unternehmer
ausüben*.“
Während des Zeitabschnittes von hundert Jahren erfolgt ein
Wertzuwachs, und diesen „Mehrwert‘“ „steckt die Gesellschaft
ein und nimmt ihn somit den ihn erzeugenden Arbeitern weg,
die Arbeitsfrüchte genießen also die anderen‘. „In der Verteilung
bekommen ihn (d. h. den Zins. N. B.) ganz andere Leute als
jene, an deren Arbeit und Produkt er verdient wurde... an dere
Leute, und zwar ganz wie heute (!), nicht aus dem Titel der
Arbeit, sondern aus dem Titel des Eigentums bzw. des
Miteigentum s*®.“
Diese Ueberlegung ist von Anfang bis Ende falsch. Sogar in
der sozialistischen Gesellschaft gibt es keinen Wertzuwachs aus
dem Boden”. Für sie ist es ganz gleich, ob die Arbeit für die un-#
Ib. S. 583.
16 1b. S. 584.
17 Um‘ Mißverständnisse zu vermeiden, sei erklärt: Wenn hier die Rede
vom „Wert“ in der sozialistischen Gesellschaft ist, so ist doch darunter eine
besondere Kategorie zu verstehen, die sich von dem Wertbegriff in der Warenwirtschaft
unterscheidet. Hier wie da bildet die Arbeit den bestimmenden
Faktor. Doch während in der sozialistischen Gesellschaft die Arbeitsbewertung
einen bewußten gesellschaftlichen Prozeß bildet, stellt sie in
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