Der Kapitalbegriff. „Kapital“ und „Profit“ im „Sozialistischen“ Staat 131
mittelbare Produktion von Gebrauchsgütern angewandt wird
oder irgendeinem „entfernteren Zweck“ dient, da in dieser Gesellschaft
nach einem im voraus aufgestellten Wirtschaftsplan
gearbeitet wird, und die einzelnen Arbeitskategorien als Teile
einer gemeinsamen gesellschaftlichen Arbeit betrachtet werden,
die für den ununterbrochenen Gang der Produktion, Reproduktion
und des Konsums notwendig ist. Aehnlich wie die Produkte
der verschieden entfernten Einheiten ununterbrochen und
gleichzeitig konsumiert werden, ebenso ununterbrochen
und gleichzeitig laufen auch die ihrem Ziel nach verschieden entfernten
Arbeitsprozesse ab. Alle Teile der gemeinsamen gesellschaftlichen
Arbeit sind in ein einheitliches unzertrennbares
Ganzes verschmolzen, in dem für die Bestimmung des Anteils
eines jeden Mitglieds nur eins wichtig ist (nach Abzug für den
Produktionsmittelfonds) die Menge der aufgewendeten 'Arbeit.
Dies sieht man auch *am Böhmschen Beispiel: Wenn er von den
Bäckern spricht, deren Arbeitsprodukt Brot ist, so vergißt er
ganz und gar, daß das Brot keinesfalls nur das Arbeitsprodukt
der Bäcker ist, sondern aller Arbeiter, angefangen mit denjenigen,
die in der Landwirtschaft beschäftigt waren; die Arbeit der
Bäcker ist nur das Schlußglied in dem gesamten Prozeß. Wenn
also die Aufforstungsarbeiter Produkte gemäß ihrer Arbeit bekommen,
so erhalten sie damit gesellschaftliche Arbeitseinheiten
von verschiedenen Graden der Entfernung, d. h. sie befinden sich
im Verhältnis zu den anderen Mitgliedern der Gesellschaft in
derselben Lage, wie jede andere Arbeiterkategorie, denn, wie gesagt,
bei dem gegebenen Wirtschaftsplan hängt die Wichtigkeit
der Arbeit nicht von der Entfernung des Zieles derselben ab!®.“
Diese Frage hat jedoch noch eine andere, wichtigere Seite.
Angenommen, die sozialistische Gesellschaft erhält in einem gegebenen
Produktionszyklus einen gewissen Ueberschuß an „Wert“
(für uns ist es in diesem Falle ohne Belang, zu wissen, warum
sie ihn hat und auf Grund welcher „Werttheorie‘“ sich die
Abschätzung des Produkts vollzieht). Böhm-Bawerk stimmt damit
überein, daß dieser „Mehrwert“ „zu einer allgemeinen Aufbesserung
der Lohnquote (!) der Volksarbeiter dient“. Damit ist
doch sichtbar jeder Grund für die Deutung des erhaltenen Ueberschusses
als Profit genommen. Doch macht hier Böhm-Bawerk
folgenden Einwand geltend. „Der Profit — sagt er — hört noch
der jetzigen Gesellschaft ein elementares Grundgesetz der Preise dar, in der
das eigentliche Element der (Arbeits) Bewertung fehlt.
4 8 Ganz davon zu schweigen, daß die sozialistische Gesellschaft die Beseıtigung
der engen Spezialisierung voraussetzt.