Allgem. Charakteristik des kapital. Produktionsproz. Die Profitbildung 137
von der Notwendigkeit des Wartens ;‚ des Verbrauchsauf-
schubs gehört, weil die „kapitalistische Produktionsweise‘‘ die
Lieferung des fertigen Produkts auf relativ lange Zeit verschiebt.
Das bedingt nach Böhm-Bawerk die wirtschaftliche Abhängigkeit
der Arbeiter von den Kapitalisten. In Wirklichkei taber
braucht man weder zu „warten“ noch die Kon-
sumtion zu verschieben, und zwar aus dem einfachen
Grunde, weil das gesellschaftliche Produkt, welchen Produktions-
abschnitt wir auch nehmen, falls wir es nur mit einem gesell-
schaftlichen Produktionsprozeß zu tun haben; sich gleich.
zeitigin allen Stadien seiner Herstellung befindet. Noch
Marx setzte auseinander, daß die Arbeitsteilung die „Aufeinander-
folge in der Zeit“ durch die „Aufeinanderfolge im Raum“ ersetzt.
Dieser Prozeß wird von Rodbertus folgendermaßen geschildert:
„In allen ‚Unternehmungen‘ aller Fächer aller Produktionsstu-
fen wird gleichzeitig und unausgesetzt gearbeitet. Während
in den Produktionswirtschaften der Fächer der Rohproduktion
neues Rohprodukt der Erde abgerungen wird, wird zu derselben
Zeit in den Produktionswirtschaften der Fächer der Halbfabri-
kation das Rohprodukt des vorausgegangenen Zeitraums zu
Halbfabrikat umgearbeitet, wird in den Produktionswirtschaften
der Werkzeuge der Ersatz der vernutzten Werkzeuge hergestellt
und so fort, werden endlich auf der letzten Produktionsstufe aufs
neue Produkte zur unmittelbaren Konsumtion vollendet®®.“
Ebenso wie der Produktionsprozeß ununterbrochen verläuft,
ebenso ununterbrochen verläuft auch der Prozeß des Verbrau-
ches. In der modernen Gesellschaft braucht man nicht wegen
der „Umwege“ mit dem „Genuß“ der Güter zu warten, da der
Produktionsprozeß weder mit der Gewinnung von Rohstoffen
und allerhand „Zwischenprodukten“ beginnt noch mit der
Herstellung von Gebrauchsgütern abschließt: vielmehr ist
er die Einheit all dieser Prozesse, die nebeneinander ver-
laufen. Wenn wir die moderne Volkswirtschaft untersuchen, so
haben wir es selbstredend mit einem bereits ausgebildeten System
gesellschaftlicher Produktion zu tun; dies setzt geteilte gesell-
schaftliche Arbeit und gleichzeitiges Vorhandensein verschiede-
ner Phasen des Produktionsprozesses voraus.
Der gesamte von Marx erläuterte Prozeß verläuft folgender-
maßen: Angenommen, das konstante Kapital (bei einfacher Re-
produktion) ist 3c gleich, von denen ein Drittel, d. h. c, sich
jährlich in Konsumtionsmittel verwandelt. Bezeichnen wir das
innerhalb des Jahres zirkulierende variable Kapital mit v, den
3 Carl Rodbertus: „Das Kapital“, S. 257. Berlin 1884.