Full text : Die politische Ökonomie des Rentners

140 Die Profittheorie
bleibt, der den Profit ausmacht*”, wird folgender Umstand. klar:
Wenn wir auch annehmen, daß die höhere Wertschätzung der
gegenwärtigen Güter im Vergleich zu den zukünftigen eine der
indirekten Ursachen für die Entstehung des Profits ist, so bleibt
doch immerhin die Verschiedenheit der wirtschaftlichen Lage der
verschiedenen Klassen der Kernpunkt dieser „Tatsache“. „Der
Unterschied in der Wertschätzung setzt auch hier unvermeidlich
den „sozialen‘ Unterschied voraus*®®.‘“ Dennoch bemüht sich
Böhm-Bawerk, die Idee der sozialen Grundlagen des Profits auf
jede mögliche Weise fernzuhalten. „Natürlich — sagt er — kann
es vorkommen, daß außer den im Texte entwickelten Gründen
eines scheinbar billigen Einkaufs (der Arbeit. N. B.) im einzelnen
 Falle auch noch andere Gründe eines wirklich anormalen
billigen Einkaufs wirksam werden: z. B.: geschickte Ausnützung
einer günstigen Konjunktur, wucherische Bedrückung des Verkäufers,
 insbesondere des Arbeiters°®.‘“ Doch seien diese Fälle,
meint er, als anormal zu betrachten; der sich dadurch ergebende
Profit sei ein „Extragewinn“, den man nicht mit der zu untersuchenden
 Kategorie verwechseln dürfe: er fuße auf einer anderen
 Basis und habe eine andere sozialpolitische Bedeutung. Indessen
 sieht man bei genauer Betrachtung, daß es sich hier um
keine prinzipiellen Unterschiede handelt: Sowohl in dem einen
als auch im anderen Falle entsteht der „Profit“ oder der „Zins“
infolge des Tausches der gegenwärtigen Güter gegen die zukünftigen,
 aus dem Kauf der Arbeit; hier und da spielt die
Ueberschätzung der gegenwärtigen Güter im Vergleich zu
den zukünftigen eine Rolle; hier und da ist diese Ueberschätzung
durch die soziale Lage der Käufer und Verkäufer bedingt,
„die geschickte Ausnutzung einer günstigen Konjunktur“ kann
in diesem Falle ebensowenig wie die „wucherische Bedrückung
des Verkäufers‘ ein neues Moment bilden. Denn die Kapitalisten
sind ja im m er bestrebt, die Konjunktur auszunutzen, und diese
gestaltet sich für sie immer „günstig‘, für die Arbeiter aber „ungünstig“.
 Andererseits bleibt es ja ganz unbestimmt, was als
37 Siehe S. 539ff. der „Positiven Theorie“. Darüber ausführlich weiter
unten.
38 R. Stolzmann: „Der Zweck“, S. 288. „...Denn was ist die ‚Detaxation‘,
das ‚Agio‘ des Kapitalgewinnes anderes als die Ausnutzung eines Vorteils, der
dem Kapitalisten vermöge des ‚glücklichen Besitzes‘, d. i. vermöge des durch
die Eigentumsordnung gewährleisteten Besitz- und Verteilungsstatus zufällt,
und worauf dann nach Böhms eigenen Worten die Bezeichnung ‚Mehrwert‘ sogar
 ‚in vollerem Maße zutrifft, als die Sozialisten bei ihrer Namengebung es
wohl ahnten‘.“
3 Böhm-Bawerk: „Positive Theorie‘, S. 505, Anm.
            
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