Full text: Die politische Ökonomie des Rentners

Der dritte Grund für die Ueberschätzung der gegenwärtigen Güter 151 
schwender‘* handeln, die Ueberschätzung der gegenwärtigen Gü- 
ter gar keine Rolle spielt‘*., Und so sehen wir, daß, wie der erste, 
so auch der „zweite Grund‘ weder auf Seiten der Nachfrage 
noch auf der des Angebots irgendeine Geltung hat. 
„Von den drei Momenten... treten also für die Masse der 
Kapitalisten (wir sahen, daß es auch für die Arbeiter zutrifft. 
N. B.) die beiden ersten nicht in Wirksamkeit. Dagegen kann 
hier das uns wohlbekannte dritte Moment wirksam werden; die 
technische Ueberlegenheit der gegenwärtigen 
Güter (Sperrdruck des Verfassers)oder das, was man sonst die 
„Produktivität des Kapitals‘ nennt**.“ 
Somit bleibt uns nur noch übrig, den dritten „Grund“ — die 
technische Ueberlegenheit der gegenwärtigen Güter — zu unter- 
suchen. 
2. DER DRITTE GRUND FÜR DIE ÜBERSCHÄTZUNG DER GEGEN- 
WÄRTIGEN GÜTER: IHRE TECHNISCHE ÜBERLEGENHEIT 
Dieser dritte Grund, dem nach Böhm-Bawerk eine ausschlag- 
gebende Bedeutung zukommt, besteht darin, daß „in aller 
Regel gegenwärtige Güter aus technischen 
Gründen vorzüglichere Mittel für unsere Be. 
dürfnisbefriedigung sind und uns daher auch 
einen höheren Grenznutzen verbürgen als 
künftige'.‘“ Es sei hier zunächst eine Vorbemerkung ge- 
macht. Bisher wurde bei Böhm-Bawerk überall vorausgesetzt, 
daß unter den gegenwärtigen Gütern „Genuß güter‘“, Güter 
erster Ordnung, verstanden werden oder im schlimmsten Falle 
die „gegenwärtigen‘“ Gulden, die sich leicht in Verbrauchsgüter 
verwandeln lassen, welche wiederum ganz unmittelbar die mensch- 
lichen Bedürfnisse befriedigen können. Es waren eben Gulden, 
die der Kapitalist, gleich einer echten Ware, gegen das „Zu- 
kunftsgut‘“ — die Arbeit — eintauschte. Um ganz etwas anderes 
handelt es sich dagegen hier. Hier stellt Böhm-Bawerk nicht 
mehr Produktionsmittel den Konsumtionsmitteln gegenüber, son- 
dern vergleicht die Produktionsmittel, die verschiedenen Katego- 
rien der Produktionsmittel untereinander. Daraus ergeben 
sich mannigfache Folgen, die weiter unten behandelt werden. 
Kehren wir zu unserem Thema zurück. Aus dem vorher- 
gehenden Abschnitt wissen wir bereits. daß der Produktionspro- 
1 Positive Theorie“, S. 520 u. 521. 
%.-Jb.18. 521; 
16 Ib. S. 454. (Sperrdruck vom Verfasser.)
	        
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