Full text: Die politische Ökonomie des Rentners

Der dritte Grund für die Ueberschätzung der gegenwärtigen Güter 155 
Tabelle IV 
EinArbeitsmonatim Jahre 
1909. 1910 1911. 1912 
E a 1900 5008 — — 
Fe1910 / 760 7 880011 
SER 1911111840600 18005: 5-— 
Da 19121770 6161 440 290 
1913 800. 700 560 400 
ae 1914’ 7.792 720: "6830 504 
E 1915: 705. 660 60017525 
* 1916 500). .470.; 440.400 
„Es ist also in der Tat der gegenwärtige Arbeitsmonat allen 
künftigen nicht bloß an technischer Produktivität, sondern auch 
an Grenznutzen und Wert überlegen?*.“ 
% „Positive Theorie“, S. 465. Um die Stellung Böhm-Bawerks klar zu 
machen, sei hervorgehoben, daß sein Begriff der „Produktionsperiode‘“ von 
dem üblichen wesentlich abweicht. Sie ist nach ihm nicht etwa die gesamte 
Zeitdauer, die alle Operationen, die vorbereitenden mit inbegriffen, erfordern, 
denn „in unserer Zeit, in der die kapitallose Produktion fast ganz verschwun- 
den ist... würde nach jener strengen Berechnung die Produktionsperiode 
fast jedes Genußgutes ihren Anfang in lang vergangene Jahrhunderte zurück- 
verlegen dürfen“ (S. 156). „Wichtiger und richtiger ist es vielmehr, auf den 
Zeitraum zu sehen, der durchschnittlich zwischen dem Aufwand der 
sukzessive in ein Werk verwendeten originären Produktivkräfte, Arbeit und 
Bodennutzungen und der Fertigstellung der schließlichen Genußgüter vergeht. 
Diejenige Produktionsmethode ist stärker kapitalistisch, welche den in ihr 
vollzogenen Aufwand an originären Produktionskräften durchschnittlich 
später lohnt“ (S. 157). Wenn die Produktion einer Gütereinheit durchschnitt- 
lich einen Aufwand von 100 Arbeitstagen erfordert und wenn ferner bis zum 
Abschluß des Prozesses in 10 Jahren ein Arbeitstag verwendet wurde, und 
jeder folgende in 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2 und 1 Jahr, und alle anderen (90) Tage 
unmittelbar vor dem Abschluß des ganzen Prozesses, so wird der 1. Arbeits- 
tag in 10 Jahren, der 2. in 9 usw. entlohnt. Die sämtlichen 10 Tage werden 
durchschnittlich entlohnt 
10+9+8+7+6+5+4+3+2+1 =55 
100 100 
d. h. annähernd nach % Jahr. Das ist die Produktionsperiode, d. h. eine 
Einheit der Produktionsmittel von 100 Tagen wurde im Produktionsprozeß 
aufgewendet, dessen Produktionsperiode % Jahr beträgt. Je länger die Pro- 
duktionsperiode, desto ergiebiger die Produktion, desto höher die „Produk- 
tivität des Kapitals“, Die völlige Verworrenheit und Sinnlosigkeit dieses Be- 
griffs beleuchtet Lewin sehr gut: „Es ist vor allem unverständlich, wie und 
warum Böhm-Bawerk bei der Berechnung der Produktionsperiode zu jenem 
Durchschnitt gelangt. Das Werkzeug, das in obigem Beispiel vor 10 Jahren 
erzeugt wurde und zur Herstellung des nunmehr fertigen Genußgutes notwen- 
dig war, gehört im ganzen und nicht etwa in seinem zehnten Teile zur Pro- 
duktion dieses Gutes, die weiteren Zwischenprodukte dürfen ebensowenig als
	        
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